Caritasdirektor Mathias Mühlberger (rechts) bei einem Projektbesuch in Rumänien.
Foto: Caritas
„Eins ist mir klar geworden: Der Herrgott will, dass ich lebe!“ – Dieser Satz einer verzweifelten Frau, die auch schon versuchte sich das Leben zu nehmen, geht Caritas-Direktor Mathias Mühlberger zu Herzen. Die Frau sprach den Satz, nachdem sie bei der Caritas-Beratung war.
Direktor Mathias Mühlberger blickt nun bald auf ein Jahr als diözesaner Caritas-Direktor zurück. Was waren schöne und was belastende Erfahrungen des ersten Direktorjahres?
Erlebte Großzügigkeit
„Schön ist, wie positiv die Menschen zur Caritas stehen“, freut er sich. Sehr angetan ist Mühlberger davon, dass er viele Menschen kennen lernt, die sehr viel tun, ohne ihr Engagement an die große Glocke zu hängen. Erfreulich ist die Großzügigkeit der Spender/innen.
Erfüllend ist die Arbeit der Caritas insgesamt. „Dazu kann die Caritas beitragen: dass die Leute gut leben.“ An positiven Erfahrungen vermerkt der Caritas-Direktor u. a. auch die organisatorischen Veränderungen in der Caritas.
Andererseits belastet ihn, dass die finanziellen Möglichkeiten nicht ausreichen, um der vielfältigen Not zu begegnen. Und dass die Einführung des neuen Dienstrechtes in der Caritas viel Mühe gekostet hat, „wobei aus unserer Sicht die Grenzen in der Finanzierbarkeit liegen“.
Wirtschaftlichkeits-Vorgabe
Die Caritas muss sich nach der Decke strecken, ist die Botschaft. „Ich halte viel davon, dass wir uns als Caritas sehr darauf konzentrieren, was unsere Aufgabe ist“, sagt Mathias Mühlberger – die Hilfe an den Menschen. Aus diesem Grund wurde die Stiftung gegründet (siehe letzte Kirchenzeitung). Sie hat den Auftrag, Geld für die Caritas-Arbeit zu erwirtschaften und den Caritas-Kernaufgaben den Rücken frei zu halten.
Ist das aber nicht auch ein Widerspruch – sozial wirken und gewinn bringend wirtschaften zu wollen? – Wo werden Menschen mit Handicaps noch Arbeit finden, wenn auch schon in sozialen Einrichtungen aus Arbeit Gewinne erzielt werden müssen? Wie verträgt sich der wirtschaftliche Blick mit dem sozialen Blick?– „Es ist ein täglicher Spagat. Wir sind auch den öffentlichen Geldgebern verpflichtet und müssen abwägen“, sagt Caritas-Direktor Mathias Mühlberger, „wie wir die knappen Mittel möglichst wirksam einsetzen können. Das sind wir auch den Spendern schuldig!“ Was nicht öffentlich finanziert wird und auch nicht aus Spendengeldern gedeckt werden kann, muss die Caritas selbst finanzieren, also verdienen.
Herausforderungen
Die größten sozialen Herausforderungen der kommenden Jahre sieht Caritas-Direktor Mühlberger in der Alten- und Pflegearbeit, in der Behindertenbetreuung (mit der politisch in Gang gebrachten Förderung der Eigenständigkeit von Menschen mit Beeinträchtigungen). Große Anstrengungen wird auch die Hilfe für Menschen brauchen, denen es am Notwendigsten für ein Leben in Würde fehlt (unter ihnen sind auch viele Erwerbstätige). Und ein Phänomen wird offenkundiger: Immer mehr Menschen leiden unter Einsamkeit. Darüber hinaus braucht die Hilfe für Flüchtlinge und Asylwerber ein besseres Fundament. Wer sich legal in unserem Land aufhält, soll auch in die Bundesbetreuung aufgenommen werden.
Ernst Gansinger
FAKTEN
Großbetrieb Caritas
Die Caritas der Diözese Linz wächst: Zählte sie im Jahr 2000 noch 1.389 Beschäftigte, waren es im Jahr 2001 schon 1.493 (mehr als vier Fünftel von ihnen Frauen).
In der Caritas-Zentrale arbeiteten im Vorjahr 161 Beschäftigte; in der Caritas für Betreuung und Pflege (mobile Dienste, Altenheime) 575; in der Caritas für Kinder und Jugendliche (Kindergärten, Studentenheim Guter Hirte, SPZ Gleink) 146 und in der Caritas für Menschen mit Behinderungen (St. Isidor, St. Pius, St. Elisabeth ...) 611 Personen.