Caritas für Betreuung und Pflege (CBP) will Betriebsrätin entlassen
Ausgabe: 2002/29, Caritas, CBP, Betreuung und Pflege, Gewerkschaft, Entlassung
16.07.2002
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Mit schweren Vorwürfen gegen die Caritas ging letzten Freitag die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) an die Öffentlichkeit: Die Caritas gehe gegen eine unbequeme Betriebsrätin mit „allen Mitteln“ vor.
Der Hintergrund dieses Vorwurfes ist die Absicht der Caritas für Betreuung und Pflege (CBP), zur Entlassung ihrer Betriebsrats-Vorsitzenden eine gerichtliche Zustimmung zu erwirken. Das Verhältnis zur 51-jährigen Dienstnehmer-Vertreterin habe sich laut Auskunft der GPA wegen deren engagierten Einsatzes zunächst als Zentralbetriebsrats-Vorsitzende der Caritas (1.600 Beschäftigte), später als Betriebsrats-Vorsitzende im Teilbereich CBP (knapp 700 Beschäftigte), insbesondere im Zuge der Verhandlungen für den neuen Kollektivvertrag, stark abgekühlt. Die Geschäftsleitung habe die Betriebsratsarbeit behindert, die Beriebsrätin sei zudem gemobbt worden und soll nun mit dem Vorwurf, sie habe sich bereichert, entlassen werden. Drei Anlässe wurden dafür bei Gericht geltend gemacht.
Der zentralste daraus, so zürnt GPA-Landessekretär Dr. Johann Kalliauer, dass die Betriebsrätin in Absprache mit dem Betriebsrats-Gremium die Kosten eines Weiterbildungs-Kurses aus dem Budget des Betriebsrates beglich. Die Geschäftsleitung, bei der sie zunächst um Genehmigung der Kosten ansuchte, hatte abgelehnt.
Caritas versucht Beilegung
So schwerwiegende Konflikte mit Öffentlichkeitswirkung sind natürlich Chefsache, wenn auch der Konflikt selber in der nächsten Etage beheimatet ist. Die Kirchenzeitung sprach mit Caritasdirektor Mathias Mühlberger. Der Streit sei unangenehm. Er habe keinen Streit mit der GPA, sondern mit einer Mitarbeiterin. Er selbst sei 25 Jahre Gewerkschaftsmitglied gewesen. Im Übrigen sei er an starken Betriebsräten interessiert. Da die Caritas ihre Dienste aus Spendengeldern und Subventionen finanzieren müsse, seien strenge Kriterien dafür anzulegen, wie mit dem anvertrauten Geld umgegangen werde. Er selbst habe sich um eine außergerichtliche Beilegung des Konfliktes bemüht. Aktuell stehe seinerseits das neue Angebot einer Mediation im Raum, während der das Gerichtsverfahren ruhen sollte. Zu den Vorwürfen gegen die Betriebsrätin wolle er nicht Stellung nehmen. Die Vorwürfe der GPA, wie Behinderung der Betriebsratsarbeit, weist Caritas-Direktor Mühlberger zurück.
Die Gewerkschaft hat gegen ein Mitglied der CBP-Geschäftsführung Strafanzeige wegen Verdachts der Verleumdung eingebracht (wegen eines angeblich bei einer Mitarbeiter-Informationsveranstaltung geäußerten Verdachts der Bereicherung gegen die Betriebsrätin). Außerdem verlangt die Gewerkschaft, dass die Caritas den Antrag auf Zustimmung zur Entlassung bei Gericht zurücknimmt.
Ernst Gasnsinger
Z U R S A C H E
In der Sonntagsfrage Bündnispartner
Kenner der Szene wundert der Konflikt GPA – Caritas wegen des oben beschriebenen guten Verständigungsgrades zwischen den beiden Konfliktparteien. GPA-Landessekretär Dr. Kalliauer war auch bei der Pressekonferenz zum Konflikt um positive Signale bemüht: Uns ist bewusst, dass da eine Einrichtung in der Öffentlichkeit Schaden nimmt, die es nicht verdient ... Darum haben wir so lange mit dem Gang an die Öffentlichkeit gewartet… Bei einem anderen Dienstgeber wären wir vielleicht früher an die Öffentlichkeit gegangen.
Es wäre eine Katastrophe, wenn sich die Sache so weiterentwickelt. Ob sich die Caritas und die GPA in diesem eskalierenden Fall verständigen werden? Sollte eigentlich zu erwarten sein, wenn man sich ansieht, wer sich da in die Haare geraten sind: Ein prominenter Teil der Kirche und ein prominenter Teil der Interessensvertretung der Arbeitnehmer. Zwischen diesen klappt die Verständigung in vielen Bereichen ganz gut: So ziehen beide Gruppierungen in der Frage nach dem arbeitsfreien Sonntag an einem Strang.