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Lesermeinungen

Ausgabe: 2002/31, PriesterInnen, Ungeborene, Caritas;
30.07.2002

Priesterinnen



Zum Leserbrief von Frau Hertha Ecker, KIZ 26
Der Leserbrief macht mich traurig! Man kann zu diesen „Priesterinnen“ stehen, wie man will, doch ist es notwendig, den Lebenslauf von Frau Mayr-Lumetzberger abschätzig zu schildern? Da bricht die ganze Gnadenlosigkeit der katholischen Kirche durch (Umgang mit laiisierten Priestern, mit wiederverheirateten Geschiedenen ...)! Gott verzeiht und wird auch diese momentane Strömung aushalten. Wissen wir wirklich, was er mit uns, mit der Kirche will? Oder plappern wir nur das nach, was aus einer Zeit mit einer völlig anderen Gesellschaftsform stammt und von Männern (nicht von Jesus) festgelegt worden war?
Frauen waren und sind in der Kirche wichtig – warum nicht auch als Priesterinnen?
Ernst Fladnitzer, Obernberg

Die Frauen, die sich zu Unrecht „Priesterinnen“ nennen, sollen sich ein Beispiel an der Gottesmutter nehmen. Maria hat nicht gesagt: „Ich will unbedingt die Mutter Jesu werden“, sondern: „Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort.“ Also: Demütig sein, nicht machthaberisch. In der Kirche gibt es für Frauen genug Gelegenheit als Laie zu arbeiten. Haben die Frauen sonst nichts zu tun, als dem Paspst zu trotzen? An und für sich habe ich nichts gegen Frauen, die Priesterinnen werden wollen, aber nicht so. (...)
Berta Radlmüller, Bad Kreuzen

„Wäre nicht die Verpflichtung zu lebenslangem Zölibat, wäre ich bestimmt Priester geworden.“ Dieser Ausspruch eines meiner Neffen mag auf manche junge Männer zutreffen. Warum sieht man nicht hier eine Mitursache des Priestermangels, die bei Wertung der Ehe als Sakrament zu beheben wäre? Auch verstünde der Priester als Familienvater manche Probleme besser – und fallweise unglaubwürdiges, aber durch den Zölibat erzwungenes Doppelleben wäre vermeidbar.
E. R. (Name und Adresse der Redaktion bekannt)

Ungeborene



„Rasterfahndung nach behindertem Leben“, KIZ 27, S. 9
Ihr Artikel „Rasterfahndung nach behindertem Leben“ hat mich angesprochen, hierzu möchte ich meine Meinung kundtun, da ich selbst als Krankenschwester auf einer Gyn-Geburtshilfestation arbeite:
Die pränatale Diagnostik ist aus unserer heutigen medizinischen Diagnostik nicht mehr wegzudenken. Sie hat meiner Meinung nach insofern Berechtigung, da sie den werdenden Eltern ermöglicht, sich auf die Geburt ihres Kindes besser einzustellen.
Für eine Frau, die ein behindertes Kind erwartet, wird die Schwangerschaft zu einem besonderen Erlebnis, sofern sie auch entsprechend betreut wird. Die Geburt eines behinderten Kindes wird die Mutter nicht erschrecken lassen, da sie ja genug Zeit hatte, sich auf dieses Ereignis mental einzustellen.
Ich glaube, durch eine bessere Betreuung der werdenden Mutter zum Zeitpunkt der Diagnosestellung wären mehr Frauen auch tatsächlich bereit, ihr behindertes Kind auszutragen, selbst wenn es keine Überlebenschance hätte. Es ist daher wichtig, den Frauen die Nähe ihres Kindes bewusst zu machen, um die Kindsbewegungen als Signale der Verbundenheit zu spüren. Kann also ein Kind auf Grund seiner Fehlentwicklung nicht weiterleben, so bleiben der Mutter zumindest durch die Schwangerschaft positive Erinnerungen an ihr Kind, zu dem sie eine besondere Beziehung hatte aufbauen können.
Maria Moucka, Linz/Gramastetten

Im Artikel „Rasterfahndung nach behindertem Leben“ schreiben Sie, der Druck auf Frauen, nur ein gesundes Kind zu gebären, werde dadurch weiter zunehmen. Ich aber frage: Hat nicht auch das Kind das absolute Recht, gesund zur Welt zu kommen? (...) Von diesem elementaren Recht des Kindes, das da das Licht der Welt erblicken muss, ist von unseren „Tugendwächtern“ nicht die Rede. (...).
„Wer nicht zur Welt kommt, dem geht nichts verloren. Er sitzt im All auf einem Ast und lacht.“ (Erich Kästner).
Franz Jancza, Zell a. Moos

Caritas



Schlagabtausch zwischen Gewerkschaft und Caritas, KIZ 29, S. 5:

Jedes Jahr versucht eine Hand voll Betriebe in Oberösterreich Betriebsräte um jeden Preis loszuwerden. Dass diesmal die Caritas darunter ist, verwundert. Die Art, wie sie das versucht, ist erschreckend.
Interessenskonflikte zwischen Chefs und Betriebsräten sind völlig normal. Clevere Geschäftsleitungen versuchen differierende Ansichten durch erhöhte Kommunikation zum Vorteil des Unternehmens auszugleichen.
Der Weg zum Arbeitsgericht kann für Betriebsräte das letzte Mittel einer Notlage sein. Für Geschäftsleitungen, die gewöhnlich am längeren Hebel der Macht sitzen, ist dieses Mittel eine kommunikative Bankrotterklärung.Der Caritas-Betriebsrätin eine Kommunikationsschulung zu verweigern und ihre bestehende Anmeldung als Delikt vor Gericht geltend zu machen, ist ein Fall von Mobbing. Die beiden anderen angezeigten „Delikte“ sind ebenso durchsichtig. Würde es sich bei den Klägern nicht um eine Geschäftsleitung eines Betriebes von 1600 Beschäftigten handeln, könnte man den Fall vielleicht als Hilflosigkeit eines Kleinunternehmers abtun.
Im gegenständlichen Fall geht es aber um ein Prestigeunternehmen der Kirche. Der Schaden, den die Geschäftsleitung der Caritas der sozialen Glaubwürdigkeit der oberösterreichischen Kirche zufügt, ist erheblich.Dass die Betriebsrätin noch nicht das Handtuch geworfen hat, findet meine persönliche Hochachtung.
Mag. Hans Gruber,Betriebspfarrer Linz-Mitte
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