Eine der kleinsten christlichen Kirchen war Ziel der Ökumenischen Reise 2002: die Waldenser. Seit mehr als 800 Jahren haben sie überlebt: Als Ketzer verfolgt, schließlich geduldet, leben sie erst seit dem Jahr 1848 in Freiheit.
Rund 30.000 Waldenser leben in Italien, die Hälfte davon in den engen Bergtälern nahe Turin. Aus einer Armutsbewegung – ähnlich der des Franz von Assisi – entstand die Waldenserbewegung im 12. Jahrhundert. Während Franz die kirchliche Anerkennung erfuhr, waren die Waldenser jahrhunderte lang der Verfolgung ausgesetzt. Sie schlossen sich im 16. Jahrhundert der Reformation an. Sie sahen sich – als Konsequenz – vor die Alternative gestellt: auswandern oder katholisch werden. Die Täler des Piemont in Norditalien blieben die einzige Zufluchtstätte. Die fruchtbaren Ebenen waren ihnen verboten, so blieben die Berge. Dort leben sie noch heute als Bauern und Bergwerksarbeiter. Rund 100 Pfarrer und Pfarrerinnen betreuen die 130 Waldensergemeinden in Italien. Durchschnittseinkommen der Seelsorger: 500 Euro bei freier Unterkunft. „Damit kann man schon leben“, meint Pfarrerin Karole Stuwäus. Wegen der geringen Zahl der Mitglieder sieht sich die Waldenserkirche vor große Herausforderungen gestellt. Es ist die Frage, ob Krankenhäuser wie in Palermo zu halten sein werden. Rund um das Bergdorf Prali leben die Alten oft noch so, wie es im Museum gezeigt wird: in engsten Verhältnissen, Tier und Mensch nahe beisammen. Doch die Jungen sind herausgefordert, sich der modernen Welt zu stellen. Die Winterolympiade 2006 in Turin wird den Blick der Welt auf diese Region richten. Auch die Waldenser erhoffen sich mehr Aufmerksamkeit. Die Ökumenische Reise wurde von der Kirchenzeitung zusammen mit der evangelischen Kirche und dem evangelischen Bildungswerk durchgeführt. Bischofsvikar Willi Vieböck und Superintendent Mag. Hansjörg Eichmeyer waren als geistliche Begleiter mit dabei.