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Schweiß statt Tinte

Theologen berichten über ihre Erfahrungen als Hilfsarbeiter
Ausgabe: 2002/36, Betriebspastoral, Schwieß, Tinte, Hilfsarbeiter, Ordensleute, Missionare;
04.09.2002
- Matthäus Fellinger
Zwölf Theologiestudenten und Ordensleute haben statt in Büchern in Industriebetrieben geschnuppert.

„Alle arbeiteten vier Wochen lang – als Hilfsarbeiter in Betrieben rund um Linz. Doch der Lohnunterschied war gewaltig … 300 Prozent.“ Was die zwölf Theologiestudierenden und Ordensleute nach dem vierwöchigen „Betriebspraktikum“ taten, dürfte sonst in der Gesellschaft kaum einmal verwirklicht werden. Sie legten das Geld zusammen und jeder bekam gleich viel Lohn.
Fünf Wochen lang waren die Theologen aus Österreich, der Schweiz und Deutschland zusammen. Sie sollten, so ist es das Ziel des Kurses, als Kirchenmenschen die Luft der Betriebswelt kennen lernen. Sie haben gespürt, wie man da an Abenden ausgepumpt ist und so gar keine Lust auf anspruchsvolle Lektüre oder auf Kultur hat. Ewald Palmetshofer aus Mönchdorf zum Beispiel hat erlebt, wie es den Pendler in der Mühlviertler Gemeinde geht. Als Lagerarbeiter in einem Großbetrieb hat er zwei Wochen gebraucht, um seinen Platz in der Kollegenschaft zu finden. „Wie weit komme ich mit meinen christlichen Werten?“, fragte er sich, wenn gelegentlich Aggressionen aufstiegen.

Als Missionar in Österreich




Kodom Patrick Kofi SVD ist Steyler Missionar und kommt aus Ghana. Der Orden hat ihn als ersten schwarzafrikanischen Missionar in Österreich eingesetzt – denn Österreich ist Missionsland. Hier sind ihm vor allem die vielen Zugewanderten Anliegen und Aufgabe. Er meldete sich für den Kurs, weil er spüren wollte, wie es Menschen, denen man das Ausländersein ansieht, in der Arbeitswelt geht. Da wird vieles nicht ausgesprochen. Da wird man von einer Arbeitsstelle an eine andere versetzt, weil jemand „mit einem solchen“ nicht arbeiten will. Es war oft eine schmerzliche Erfahrung. „Niemand sagt etwas, aber du spürst es ständig!“ Schließlich landete Kofi am Hochofen. Die Arbeit dort hat ihm gefallen. Dass Kofi Priester ist, war gelegentlich Gesprächsthema – mit allem, was damit zusammenhängt: Zölibat, Beichte – und warum Kofi überhaupt Priester wurde.
Paul Oberholzer ist auch Ausländer. Ihm sieht man das freilich nicht an. Der Schweizer macht zur Zeit das Noviziat bei den Jesuiten in Innsbruck. Ein Betriebseinsatz gehört zur Ausbildung des Ordens, der sowohl für seine Wissenschaftlichkeit als auch für seine soziale Orientierung bekannt ist. Paul war Historiker und Archivar, ehe er zu den Jesuiten kam. Deshalb wollte er einmal die „harte“ Arbeit kennen lernen und meldete sich für das Stahlwerk. Wie einen die Schicht „hernehmen“ kann, wie man vom sonstigen Leben wenig mitbekommt, weil man immer zu einer anderen Zeit als die Freunde frei hat, das lernte er kennen. „Wenn das meine Beschäftigung für immer wäre, ich glaube, ich würde mich irgendwie arrangieren“, schminkt er sich so manche Vorstellung ab.
Manfred Trauner hat schon viermal den alle zwei Jahre angebotenen Kurs „Praktikum Arbeitswelt“ begleitet. Jedes Mal war es für ihn eine spannende Sache. Für Susanne Lammer vom Betriebsseminar war es schockierend, wie schwer es die drei Schwarzafrikaner aus dem Kurs hatten, in den Betrieben wegen der Sprachprobleme angenommen zu werden.
Beim diesjährigen Kurs waren keine Frauen vertreten. Die Leitung des Betriebsseminars möchte daher den Kurs so weiterentwickeln, dass er auch für Laientheologinnen attraktiv wird.Ewald Palmetshofer hofft – nach vier Wochen in einem Betrieb –, dass die Arbeitswelt der Menschen auch an den Sonntagen spürbar wird, indem dort zur Sprache kommt, was die Menschen in ihrem Alltag erleben.

Informationen über weitere Kurse und Angebote: Betriebsseminar, Kapuzinerstraße 49, 4020 Linz,Tel. 0732/77 02 47.




Zur Sache




Betriebspastoral

Neben der Pfarrseelsorge kommt im Konzept der Seelsorge der katholischen Kirche Oberösterreichs auch der Seelsorge in Spezialbereichen besondere Bedeutung zu, so auch der „Betriebspastoral“. Diese wendet sich den Menschen in der konkreten Arbeitswelt zu.
Betriebsseelsorgezentren gibt es in Braunau, Linz, Rohrbach, Steyr, Vöcklabruck, Nettingsdorf und Wels. Für Pflegepersonal in Krankenhäusern gibt es einen eigenen Treffpunkt.
Als Begegnungs- und Weiterbildungsstätte hat das „Betriebsseminar“ für die ganze katholische Kirche Österreichs in Linz seinen Standort. Eine seiner Aufgaben ist, Seelsorger/innen für die konkrete Arbeitswelt zu sensibilisieren.
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