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An der Seite der Opfer

Das Hochwasser stellte auch die Caritas vor völlig neue Aufgaben
Ausgabe: 2002/37, Opfer, Caritas, Hochwasser, Mitterkirchen, Flut, Fluten, Kirche
10.09.2002
- Hans Baumgartner
Die Hochwasserkatastrophe im August hat die Caritas vor völlig neue Aufgaben gestellt. Nach der ersten Soforthilfe stellt sie sich jetzt darauf ein, mit einem langen Atem an der Seite der Opfer zu bleiben.

Vor einem Monat brach die größte Naturkatastrophe seit Menschengedenken über Österreich herein. Die Flut, die in oft wenigen Stunden zunichte machte, was sich Menschen in Jahrzehnten erarbeitet hatten, löste aber auch eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Die Pfarrcaritasreferentin von Oberösterreich, Johanne Strasser-Lötsch, weiß von vielen Beispielen der spontanen Nachbarschaftshilfe innerhalb der Gemeinden und zwischen betroffenen und nicht betroffenen Pfarren. Die Diözesancaritas von Linz und St. Pölten hat den Pfarren schon in den ersten Tagen Gelder zur Verfügung gestellt, um Soforthilfe leisten zu können. „Wir haben alle betroffenen Pfarren durchtelefoniert. Vielen von ihnen haben wir – je nach Situation – sofort 5000 oder 10.000 Euro überwiesen, um den nötigsten Lebensbedarf der Flutopfer zu decken“, berichtet der Linzer Caritas-Hochwasser-Koordinator Gerhard Reischl. In Öberösterreich sind etwa 40 Pfarren, in Niederösterreich 80, davon 25 besonders schwer, vom Hochwasser betroffen. Dafür hat die Caritas in den ersten Wochen rund 600.000 Euro aus eigenen Mitteln als Soforthilfe zur Verfügung gestellt. Bis Ende August wurden weitere 100.000 Euro von Pfarren und ihren Caritasmitarbeiter/-innen aus der ORF-Hochwasser-Akuthilfe an die Opfer ausbezahlt – 70 Euro für jeden Erwachsenen und 50 Euro für jedes Kind. Daneben ist über die Caritasstellen der Diözesen und Pfarren auch die Vermittlung von Sachspenden und Arbeitsleistungen angelaufen.
„Wir waren auf eine derartige Katastrophe in Österreich nicht vorbereitet“, sagt Reischl. „Erst im Helfen und im Hinhörern, was unsere Leute vor Ort brauchen, ist in den letzten Wochen ein engagiertes und – hoffentlich – effizientes Krisenmanagement entstanden.“ Dazu gehören auch drei regionale (in St. Pölten sechs) Hochwasserkoordinatoren, die die Pfarren unterstützen – durch Informationsveranstaltungen für Mitarbeiter, durch Koordination von Hilfsangeboten und -wünschen und durch Sprechtage zur Abwicklung der ORF-Hochwasserhilfe (s. Kasten). Für die Sozialausschuss- und Caritasmitarbeiter/-innen in den Pfarren ist diese Unterstützung eine große Hilfe, meint Johanna Strasser-Lötsch. „Denn sie waren bisher eher mit der Organisation von Alten- und Krankenbesuchen, mit der Betreuung von Flüchtlingen oder der Hilfe in Einzelfällen vertraut.“Neben der fachlichen Hilfe brauchen die Helfer/-innen vor Ort und die Flutopfer jetzt aber auch vermehrt menschlichen Beistand, betont Strasser-Lötsch. In Niederösterreich haben die regionalen psychosozialen Dienste der Caritas den Auftrag, sich besonders um die seelischen Nöte von Flutopfern und Helfen zu kümmern. In Oberösterreich laufen derzeit Gespräche, was zu tun ist, damit die Seelsorge längerfristig den Betroffenen hilfreich beistehen kann.

Begonnen mit einem Gulasch




Zur Sache

„Jetzt kommt es darauf an, dass sich die Hochwasseropfer darauf verlassen können, dass jemand da ist, der ihnen in ihrer Verzweiflung beisteht, der ihnen zuhört und der, wo es Not tut, auch konkrete Hilfe organisiert“, sagt Lisi Fuchshuber aus Ansfelden.
Seit am 12. August nach einen Dammbruch 1000 Haushalte in der Brucknerstadt überflutet wurden, ist Fuchshuber für die Opfer unterwegs. „Ich bin ins Krisenzentrum der Feuerwehr und des Roten Kreuzes, wo auch ein Notquartier eingerichtet wurde, gegangen und habe gesagt: ,Ich komm von der Pfarre. Wo kann ich helfen?‘ Und dann hab ich als Erstes für die völlig erschöpften Feuerwehrleute Gulasch gekocht.“ In wenigen Tagen wurde die kleine Küche des Kulturzentrums zu einer Feldküche, in der Fuchshuber und ihre Freundinnen bis zu 300 Essen pro Tag zubereiteten. „Ich bin dankbar, dass so viele bereit waren und bis heute bereit sind mitzuarbeiten.“ Auch aus der Nachbargemeinde Puking halfen Frauen in der Küche mit und liefern bis heute Kuchen. Stolz ist Fuchshuber auch darauf, dass sie seit Wochen ausschließlich gespendete Lebensmittel verkochen und verteilen kann.

Daneben organisierte Fuchshuber eine Kleidersammlung, einen Wäschedienst und richtete ein Spendenkonto ein (13.000 Euro). Bei den verschiedenen Aktionen gab es eine enge Zusammenarbeit mit der Sozialreferentin der Stadtgemeinde. Derzeit vermittelt Fuchshuber an Menschen, die selber nicht mehr so anpacken können, Hilfskräfte für die ersten Sanierungsmaßnahmen. „Ganz wichtig ist aber auch der menschliche, seelsorgliche Beistand. Viele sind in ein schwarzes Loch gefallen“, meint Lisi Fuchshuber.
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