SOS Menschenrechte hilft Asylwerbern, die auf Entscheidung warten
Ausgabe: 2002/38, Flüchtlingsheim, Flüchlinge, Ecker, SOS Menschenrechte, SOS, Cakl, Asyl
17.09.2002
- Ernst Gansinger
Eine menschenwürdige Wartezeit während des Asylverfahrens will SOS Menschenrechte Flüchtlingen im Heim Rudolfstraße geben. Das Heim in Linz ist eine Zwischenstation von einer bedrohten Vergangenheit in eine ungewisse Zukunft, wobei die Hoffnung die Triebkraft ist.
Der 37-jährige Polizist Mohammed Nahib aus Afghanistan landete in Linz in Schubhaft. Ihn, ein Mitglied der früheren Regierungspartei Afghanistans, warfen die Taliban ins Gefängnis, von dem er flüchten konnte. Mehrere Wochen später kam er in Österreich an und musste wieder hinter Gitter. – Schubhaft! Am 25. Juli, nach 35 Tagen, wurde er aus dem Polizeianhaltezentrum Linz entlassen.
Alle mehr als 50 afghanischen Schubhäftlinge, die in den ersten sieben Monaten des heurigen Jahres im Betreuungsbereich von SOS Menschenrechte registriert waren, haben eine ähnliche „Karriere“. Nahib wurde im Flüchtlingsheim Rudolfstraße von SOS Menschenrechte in Linz-Urfahr aufgenommen. Hier konnte er den Ausgang seines Asylverfahrens abwarten. Im August anerkannte ihn die Republik Österreich als Flüchtling.
Nicht alle durchschnittlich 48 Bewohner/innen dieses Flüchtlingsheimes erleben eine so positive Wendung ihres Aufenthalts in Österreich. Aber sie können damit rechnen, durch die Unterstützung von SOS Menschenrechte eine menschenwürdige Wartezeit bis zur Asylentscheidung zu haben.
„Wir wollen den Menschen, die bei uns sind, das Leben erleichtern“, sagt Günter Ecker, Geschäftsführer von SOS Menschenrechte. Die Betreuer/innen helfen bei der Arbeits- und Wohnungssuche, beim Zurechtfinden in der fremden Gesellschaft und beim Deutsch Lernen. Dazu gibt es Angebote der Gesundheitsvorsorge (Asylwerber sind nicht krankenversichert, außer sie können legal arbeiten). Einige Ärzte stellen ihre Leistungen kostenlos zur Verfügung.
Zahl der Asylwerber steigt
Die Zahl der Asylwerber ist so hoch wie nie zuvor und steigt in Österreich, gemessen an der EU, überdurchschnittlich stark. Das unterbesetzte Bundesasylamt kommt mit den Bescheiden nicht nach. Flüchtlingsheimen wie das in der Rudolfstraße drohen zeitweise aus den Nähten zu platzen.
Das Heim in der Rudolfstraße in Linz wurde vor etwa sechs Jahren von der Stadtgemeinde Linz durch einstimmigen Gemeinderatsbeschluss für die Flüchtlingsarbeit zur Verfügung gestellt. Es war früher ein Frauenhaus. Der Altbau wurde mit EU-Fördergeldern und Unterstützung durch Stadt und Land saniert. Ursprünglich für 45 Asylwerber/innen ausgelegt, müssen vorübergehend auch 60 Personen Platz finden. Eine eigene Mädchen-Wohngemeinschaft für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge ist ebenfalls untergebracht. Ein schöner Erfolg ist es, wenn diese Mädchen in Österreich zu einem Schulabschluss kommen.
Wechselnde Nationalitäten
Mohammed Nahib ist eher die Ausnahme. In den seltensten Fällen erleben die Mitarbeiter/innen von SOS Menschenrechte das Ende des Asylverfahrens im Heim. Auch dass einige in ihre Herkunftsländer abgeschoben werden, kommt vor. Die Nationalität der Asylwerber, die hier wohnen, hat sich gewandelt. Derzeit sind es vermehrt Georgier, Moldawier, Armenier. Die Verantwortlichen von SOS Menschenrechte, Geschäftsführer Günter Ecker und Heimleiter Mag. Christian Cakl, sagen, dass es jetzt mehr, wenn auch immer noch wenige, soziale Auffälligkeiten gibt, als zu Zeiten, da die meisten Bewohner/innen aus dem Irak, dem Iran, aus Afghanistan bzw. aus den Krisengebieten Jugoslawiens waren.
Die beste integrationsfördernde Maßnahme wäre, Arbeit zu ermöglichen, stimmen Günter Ecker und Mag. Christian Cakl überein. Nur – es gibt ganz wenige Asylwerber, die legal Arbeit bekommen. Am ehesten im Gastgewerbe, in Reinigungsfirmen und im Baugewerbe, Jobs auf Zeit oder Projektarbeiten.
STICHWORTE
Flüchtlinge
1956 (Ungarischer Volksaufstand) kamen 180.000 Flüchtlinge nach Österreich, 1968 (Niederschlagung des „Prager Frühlings“) 162.000, 1980/81 (Kriegsrecht in Polen) 33.000, 1991/92 (Krieg in Ex-Jugoslawien) 95.000, 1999 (Kosovo-Krieg) 5.000.
Asylanträge
1998 wurden in Österreich 13.805 Asylanträge gestellt. Tendenz steigend. 1.114 erhielten voriges Jahr Asyl.