Ihre Kunst bringt den Alltag der Menschen zur Sprache und sie will der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten. Vergangene Woche erhielt Dorit Margreiter den Otto-Mauer-Preis.
Junge Künstler und Intellektuelle waren für Msgr. Otto Mauer Seismografen der Zeit. Er liebte den offenen und oftmals kontroversen Disput mit ihnen und bot vielen Beheimatung und Förderung ohne Vereinnahmung. In diesem Geist wird seit 22 Jahren vom Otto-Mauer-Fonds der wichtigste kirchliche Kunstpreis für junge Künstler vergeben. Heuer wurde er Dorit Margreiter zugesprochen.
Die 1967 in Wien geborene und ausgebildete Künstlerin schafft mit modernen Ausdrucksmitteln (Videos, Fotos, Installationen) präzise Studien des komplexen Alltagslebens. „Kunst“, so sagt sie, „hat für mich die Aufgabe, sich gesellschaftliche Prozesse anzuschauen, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten.“
„Mich interessiert, ob es so etwas wie das wirkliche Leben überhaupt gibt“, sagt Dorit Margreiter. In der Konfrontation verschiedener Realitäten, in denen der Mensch heute gleichzeitig lebt, versucht sie Strukturen des Alltagslebens offen zu legen. Dem „idealen Haus“ stellt sie das tatsächliche Leben der Bewohner gegenüber, den tollen Städtebildern aus TV-Serien die tatsächliche Wohnsituation von „Normalverbrauchern“, den von ihrer Tante und Cousine heiß geliebten TV-Seifenopern deren Lebensrealität in Los Angeles. Eine wichtige Rolle in ihrem Schaffen spielt die Auseinandersetzung mit der Architektur, die für sie so etwas wie „gebautes Lebensgefühl“ darstellt. „Damit lassen sich die Beziehungen zwischen Privatem und Öffentlichem gut beschreiben“, meint sie.