Der Völkermord auf Osttimor und der Friedensnobelpreis haben Carlos Belo schwer zugesetzt. Der Rücktritt des 54-jährigen Bischofs von Dili kam dennoch überraschend.
Der Friedensnobelpreis, mit dem 1996 gemeinsam der mutige Hirte sowie der heutige Außenminister des Inselstaates, José Ramos Horta, ausgezeichnet wurden, „hat uns eher zusätzliche Probleme gebracht“, meinte Carlos Belo in Zeiten schlimmster Verfolgung. Dadurch habe die Welt zwar von den Gräueltaten erfahren, die das indonesische Militär in der seit 1975 besetzten portugiesischen Kolonie verübte. Gleichzeitig sei die Unterdrückung aber gewachsen. Im September 1999 eskalierte die Gewalt, nachdem sich die Bevölkerung für die Selbständigkeit entschieden hatte. Belo, seit 1983 Apostolischer Administrator, musste für Wochen seine Heimat verlassen, nachdem die Milizen zur Gefahr für sein Leben wurden. Dass er jetzt zurücktritt, wo das Land seit 20. Mai unabhängig ist, kommt äußerst überraschend. Die politische Zukunft Osttimors mag ein Grund sein. War es dem Salesianer, der zuvor Direktor der Ordensschule in Dili war, gelungen, seine einstigen Schüler im Widerstand zu einen, so treffen nun deren Pläne fast unversöhnlich aufeinander. Belo der in Lissabon und Rom studierte – mit seinem Lehrer Alois Kothgasser steht er noch immer in engem Kontakt –, setzt im Sprachenstreit auf Portugiesisch statt auf Englisch. Offiziell sind es Bluthochdruck, Schwindelanfälle und bei starker Belastung Malariaattacken, die ihn auf Anraten der Ärzte zum Rücktritt gezwungen haben. Jedoch auch „der Wirbel, dem er seit dem Nobelpreis ausgesetzt ist, hat ihm stark zugesetzt“, sagte ein Mitbruder.