Am 10. Dezember 2002 wird die Evangelische Stadt-Diakonie Linz mit dem Menschenrechtspreis des Landes Oberösterreich ausgezeichnet.
Von Montag bis Donnerstag hat das „Of(f)’n-Stüberl“ in der Linzer Starhembergstraße 39 von acht bis zwölf Uhr off’n. Bis zu 50 Personen suchen an diesen Tagen die Einrichtung der Evangelischen Stadt-Diakonie Linz auf. In der kalten Jahreszeit sind es naturgemäß mehr, die in das Vormittagscafé für obdachlose und isolierte Menschen kommen. Ein Sozialarbeiter und jeweils zwei der insgesamt dreißig ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen sorgen sich um das Wohl derer, die hier einen geschützten, warmen Platz suchen, zum Reden kommen und dabei auch ein Frühstück oder eine Vormittagsjause erhalten. Auf gesunde und vielseitige Ernährung wird Bedacht genommen.
Beratung
Freitag ist das „Of(f)’n-Stüberl“ geschlossen. Off’n hat dafür die Beratungsstelle. Sie ist unter dem gleichen Dach untergebracht. Hauptsächlich bedürftige Familien wenden sich an diesen Freitagen an die Stadtdiakonie. Geschäftsführerin Ulrike Siber ist die klare Trennung des Café-Betriebes vom Beratungstag wichtig. Anliegen zur materiellen Unterstützung sollen nicht nebenbei im Café abgehandelt werden. Der materiellen Hilfe geht das Gespräch voraus. Nicht mit Bargeld wird geholfen, sondern zum Beispiel durch die Übernahme einer Mietzahlung.
Wieder Tritt fassen
Beide Angebote – das „Of(f)’n-Stüberl“ und die Beratungsstelle wollen die hilfsbedürftigen Menschen befähigen, ihre Sache selbst in die Hand zu nehmen. Sie haben ihre Arbeit vor sechs Jahren aufgenommen.
Die Stadt-Diakonie hat darüber hinaus eine Selbsthilfegruppe für Eltern pubertierender Jugendlicher („PUB“). Die nächste Selbsthilfegruppe startet im Jänner. „s’Radl“ nennt sich eine Tauschbörse, bei der Dienstleistungen und kleine Sachen ohne Einsatz von Geld getauscht werden. Und die „Runde mit Herz“ unterstützt aus den Erlösen ihrer Arbeit das Hilfsangebot der Stadt-Diakonie. Ungefähr zwölf Frauen stricken, häkeln, sticken, basteln und verkaufen die Produkte beim Weihnachtsbasar.In Linz gibt es mehrere Anlaufstellen für Menschen, die sonst kaum wissen, wo sie hinkönnen. Die Notschlafstelle für Jugendliche, die Caritas-Wärmestube, die Einrichtungen der ARGE für Obdachlose, die Ausspeisung beim Krankenhaus der Elisabethinen, das Vinzenzstüberl der Barmherzigen Schwestern, die „SOMA“- (Sozialmarkt)-Angebote, das B37. Sie alle pflegen untereinander einen guten Kontakt, um die Hilfe effizient zu gestalten.
Unbeachtet
Auch zu den Behörden (Jugendamt, Sozialamt), lobt Frau Siber, bestehen gute Kontakte. Dennoch gibt sie sich nicht der Illusion hin, dass die Arbeit mit den Obdachlosen die Öffentlichkeit interessiere. Dieses Sein abseits der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit sieht man der Einrichtung auch an: bescheidene Raumverhältnisse, einfache Ausstattung. „Das Billigste ist gut genug“, fasst sie ihre Erfahrung als Geschäftsführerin zusammen, die auf öffentliche Unterstützung angewiesen ist. Ein bisschen unterstützt, aber sonst nicht beachtet – das ist das Los vieler Organisationen, die sich um die Außenseiter der Gesellschaft kümmern. Ob das im Fall der Stadt-Diakonie nach dem Menschenrechtspreis besser wird?