Eine Gruppe junger Palästinenser lebt in einer Wohngemeinschaft, zusammengeführt durch die Not. Jeder versucht, irgendwie mit der Situation in den Palästinensergebieten fertig zu werden. Sie sind konfrontiert mit dem täglichen Sterben, mit dem Verlust ihrer Familien, mit Hass, der immer neuen Hass erzeugt. Ibrahim, der älteste und Ruhepol, Ualid, der jüngste und Hitzkopf der Gruppe, Nedal, der Riham liebt, ihr Bruder Gihad und Ramy, der sich in das israelische Mädchen Sarah verliebt hat. Das Buch der 15-jährigen Randa Ghazy, in Italien geborene Tochter ägyptischer Eltern, lebt wenig von Handlung, sondern von langen, sehr lyrischen Passagen, die das Innenleben der Protagonisten beschreiben. Entstanden ist das Buch als Beitrag zu einem Schreibwettbewerb. Die Autorin verarbeitet darin den Tod des palästinensischen Jungen Gamal Aldorra, der im Herbst 2001 in den Armen seines Vaters starb. Zu bewundern ist das hohe sprachliche Niveau der Autorin, gerade in den lyrischen Abschnitten. Beim Lesen muss man sich aber stets vor Augen halten, dass die Geschichte eine Fiktion ist, geschrieben von einem Mädchen, das seine Informationen über die Situation im Nahen Osten auch nur aus zweiter Hand hat. Im dem Roman beigefügten Interview meint Ghazy, sie wünsche sich ein Palästina, das neben Israel existieren kann. Hoffnung auf Realisierung findet sich leider im Buch kaum wieder.
Randa Ghazy: Palästina – Träume zwischen den Fronten. Ravensburger, 2002. Euro 9,95,ISBN 3-473-35242-X.