Ausgabe: 2002/50, Meinung, Leitartikel, Schönheit. Miss World, Missbrauch, Nigeria
11.12.2002
- Matthäus Fellinger
In Nigeria hat die Miss-World-Wahl 2002 blutige Unruhen ausgelöst. Über 200 Menschen sind bei den Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen ums Leben gekommen. Der Schönheits-Tross zog einfach weiter – nach London. 92 „Schönheiten“ haben sich der Wahl gestellt. Mehr Erwähnung verdienen jene zehn, die den Weg nach London nicht mitgemacht haben, darunter auch die Vertreterin aus Österreich. Diese war erst gar nicht nach Nigeria gereist, um so gegen die Steinigung einer 31-jährigen Frau zu protestieren. Azra Akin aus der Türkei wurde gekürt.
Miss-World-Organisatorin Julia Morley weist jede Schuld an den Auseinandersetzungen in Nigeria von sich. In der Tat wurden diese nur indirekt im Zusammenhang mit dem Ereignis durch einen Zeitungskommentar ausgelöst. Die Verlegung nach London hätte den Organisatoren ein Vermögen gekostet. Das ist es eben. Koste es, was es wolle! Den einen das Geld, den anderen das Leben. Die Medien haben sich dieses Mal zurückgehalten. Das Bild der neuen Schönheitskönigin fand sich, wenn überhaupt, irgendwo auf den Innenseiten der Zeitungen.
Schönheit ist mehr, als es Körpermaße zum Ausdruck bringen. Da gehört Haltung dazu. Die diesjährige Miss-World-Schau geriet zum Missbrauch. Da ging es nicht mehr um Menschen, sondern um Geschäft und um Eitelkeiten. Die neue Schönheitskönigin wird ihre planmäßige Runde um den Globus antreten. Und was ist mit Nigeria?
Schönheit ist mehr, als es Körpermaße zum Aduruck bringen.