Die Erweiterung der Europäischen Union um zehn neue Mitgliedsstaaten ist seit 13. Dezember 2002 beschlossene Sache. Historisch nannten Kommentatoren deshalb den Kopenhagener Gipfel der Regierungschefs – zurecht, und doch auch wiederum nicht. Europa wird noch nicht vereinigt sein, wenn Ende 2004 der Beschluss in die Tat umgesetzt sein wird.
Die Grenzen Europas werden dann zwar hinausgeschoben sein. Noch immer wird es jedoch eine Reihe europäischer Staaten geben, die sich bis auf weiteres außerhalb der Union befinden werden: Rumänien, die Ukraine, Bulgarien, Koratien oder auch Russland, um einige zu nennen. Die neue Brückenfunktion Österreichs, die bislang den unmittelbaren Nachbarn gegolten hat, gilt jetzt speziell diesen Staaten.
Die Probleme könnten zu groß werden, würde man sich all die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Schwierigkeiten ins Haus holen. Dennoch: „Fertig“ wird Europa erst dann gebaut sein, wenn für alle europäischen Länder, bis zum Ural und Bosporus, gleiche Regeln gelten. Der Begriff Europas soll sich dann nicht von den Grenzen her definieren, sondern von der Art, wie man hier mit anderen Staaten umgeht. Nicht eine sich als Schutzmacht bezeichnende, aber als Weltpolizei aufspielende Supermacht soll Europa werden, sondern eine Union, die sich fair zu den anderen Kontinenten verhält. Von Europa sind zwei Weltkriege ausgegangen. Jetzt soll der Weltfriede hier einen starken Motor haben.