Wenn Franz Strasser die Bibel spielt, klingen vertraute Texte plötzlich ganz neu.
„Im Theologiestudium habe ich gelernt, biblische Texte zu zerlegen, zu analysieren, zu verstehen. Einen Zugang zur Lebendigkeit und Kraft dieser Texte habe ich dabei nicht gefunden“, erinnert sich Franz Strasser. Erst als er sich Jahre später aus Perspektive des Schauspielers der Bibel näherte, sei ihm vieles, was er theoretisch gewusst habe, erst wirklich aufgegangen. So geht es auch vielen seiner Zuhörer, wenn sie die vertrauten Texte des Markus-Evangeliums hören und sie plötzlich wie neu hören. „Am Anfang hat es mich gereizt, dem biblischen Wort durch Stimme, Ausdruck und Gestik Farbe zu verleihen“, erinnert sich der gelernte Schauspieler. „Das Markus-Evangelium habe ich gewählt, weil es wegen seiner Knappheit die Möglichkeit gibt, in einem Bogen das öffentliche Leben Jesu vor Augen zu führen. Dann hat mich dieser Text aber immer stärker fasziniert: Wie er von der liebenden Zuwendung Jesu zu den Armen, Kranken und Kleinen spricht, gleichzeitig aber einen kantigen, fast schroffen Jesus zeichnet, der jede Halbherzigkeit ablehnt. In einer Zeit der Geschwätzigkeit beeindruckt mich auch, wie Markus die ,Lehre‘ Jesu fast ausschließlich durch sein Tun verkündet.“ Neben dem Markus-Evangelium spielt Strasser gemeinsam mit zwei Musikern auch Texte des Propheten Jesaja, der das Volk von falschen Göttern abhalten will. „Das ist ein ungemein zeitgemäßer Text, der interessantereweise eher Fernstehende stark anspricht.“ Franz Strasser arbeitet seit 1978 als Bühnen- und Filmschauspieler, seit 15 Jahren als Regisseur und immer wieder auch als Hausmann.