Einige Wochen lang lief im Österreichischen Fernsehen ein Werbespot, der eine Gottesdienstgemeinde vor der Kommunion zeigt. Die Messbesucher sind „auf dem Sprung“, heraus aus den Bänken. Dann ein Schnitt, der Zuschauer wird aus der Beschaulichkeit des Kirchenraums in die laute Wirklichkeit der Werbebotschaft gerissen. Es geht um die Snowboard-Weltmeisterschaft am Kreischberg bei Murau. „Pietätlos!“ könnte man rufen. Oder sich das Ganze von der anderen Seite anschauen: Kirche hat einen Signalwert! Werbefachleute verwenden Kirchenbilder als Vehikel für ihre Botschaften. Auch wenn es manches Mal zynische Botschaften der Ersatzreligion Konsum sind. – In der Tatsache, dass Kirche Werbewirksamkeit besitzt, könnten wir auch Positives entdecken.
Ernst Gansinger
Mut zur Wahrheit
Ein Politiker müsse auch den Mut haben, den Bürger/-innen unangenehme Wahrheiten zu sagen. Das meinte kürzlich Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in einem Fernsehinterview. Den Worten des Kanzlers ist vorbehaltlos zuzustimmen. Eigenartig ist nur, dass die unangenehmen Wahrheiten den Politikern immer erst nach den Wahlen einfallen. Vorher gibt es vielleicht da und dort Andeutungen, aber so richtig Tacheles mit den Bürger/-innen wird erst nach dem Wahltag geredet. Fällt eigentlich der politischen Elite gar nicht auf, dass sie das Wahlvolk damit wie einen Haufen unreifer Kinder behandelt. In der Sache selber ging es beim Interview u. a. um die Notwendigkeit der Pensionsreform. Dass innerhalb von drei Jahren bereits über die dritte „Reform“ verhandelt werden muss, zeigt wie mutig man mit der Wahrheit umgeht.