Gib, dass die christlichen Kirchen eins seien. So werden Christen in den kommenden Tagen beten. Die Weltgebetswoche um die Einheit der Christen vom 18. bis 25. Jänner ist Anlass der Bitte. Es geht um nichts weniger als die Wiedervereinigung der Christen.
Aber wollen Christen überhaupt die Einheitskirche? Ist diese im Sinne Jesu? Seit fast tausend Jahren sind die Kirchen des Westens und des Ostens getrennt, seit einem halben Jahrtausend ist auch die westliche Kirche in sich getrennt. Die Kirchen haben lange Epochen des Konfliktes hinter sich. In den letzten Jahrzehnten ist aber auch die Geschichte der Ökumene dazu gekommen. Unterschiede werden nicht nur negativ gesehen, in ihnen kommt positive Vielfalt zum Ausdruck, wie sie sonst schwer möglich wäre.
Vielleicht ist es mit der Einheit der Christen wie mit der Einheit einer Ehe: Da verschwimmt auch nicht der Unterschied zwischen Partnern. Die Einheit lebt geradezu von einer fruchtbaren Spannung – und von einem gemeinsamen Wollen.
Mehr als früher tritt die Einheit in den Anliegen der Kirchen zutage: dass der Mensch nicht unter die Räder wirtschaftlicher Interessen kommt. Dass Friede auf der Welt möglich wird. Dass der Wert des Lebens von Anfang bis zuletzt geachtet wird. Dass Menschen Hoffnung haben dürfen. „Ein Schatz in zerbrechlichen Gefäßen“ – dieses Bibelwort wurde als Leitmotiv für die Gebetswoche gewählt. In der Tat: Die ganze Welt ist zu einem zerbrechlichen Gefäß geworden.