Ausgabe: 2003/04, Helfer, Irak, Christen, Hollerweger, Krieg, Gewalt, Armee
27.01.2003
- Walter Achleitner
Weil die Not groß ist, will auch Hans Hollerweger für den Frieden im Irak fasten: „Denn die Kriegstrommeln verheißen nichts Gutes für die Christen im Orient“, meint der Pionier für das Überleben im Tur Abdin.
Kommt es zum Krieg gegen den Irak, „dann ist das ganz besonders eine Katastrophe für die Christen im Orient“, mahnt Hans Hollerweger: „Denn er wird verstanden als Krieg der Christen gegen die arabisch-muslimische Welt. Das ist die Tragödie!“ Doch auch wenn die Kriegsmaschinerie auf Hochtouren läuft, will sich der Priester nicht abfinden, „dass der Krieg zur Notwendigkeit gemacht wird“. Gerade deshalb setzt die von ihm 1998 mitbegründete „Initiative Christlicher Orient“ (ICO) auf die Aktion „Fasten und beten für den Frieden“. Dabei hat der emeritierte Liturgiewissenschafter in Linz schon einmal uneingeschränkte Solidarität mit dem Zweistromland bewiesen: seit 1986 setzt er sich für den Tur Abdin ein. Der „Berg der Knechte Gottes“ in der heutigen Osttürkei war bis dahin im Westen nahezu unbekannt. Hollerweger half den Christen zu überleben, als zwischen kurdischer PKK und türkischer Armee die Gewalt eskalierte. Das brachte ihm die Bezeichnung „Patron des Tur Abdin“, was er mit dem 1999 erschienenen Fotoband eindrucksvoll bewies. Auch jenseits der Grenze zum Irak pflegt „Father John“, wie er genannt wird, enge Kontakte zu den Kirchen und unterstützt deren Projekte. In dem vor bald 73 Jahren in St. Georgen im Attergau Geborenen weckt die Kriegshetze jedoch Jugenderinnerungen: in Gegnerschaft zur Nazi-Diktatur von den Eltern geprägt, erlebte er 1945 die US-Panzer als Befreier. „Heute denke ich mir, sie sind genau das Gegenteil.“