Eines muss man Michael Köhlmeier schon lassen: Erzählen kann er. Zwar hat er sich in den letzten Jahren als literarischer Großproduzent entpuppt, der nicht nur im Buch-, sondern auch im Hörspielbereich fleißig tätig ist: von den Sagen des klassischen Altertums bis zur Bibel, vom Nibelungenlied bis in den amerikanischen Westen. Aber seine Erzählkunst ist frisch wie eh und je und gerne lässt man sich von ihm in die Welten seiner Geschichten entführen. So auch in dem neuen Band „Vom Mann, der Heimweh hatte“. Hier versammelt der Vorarlberger Autor zehn kurze Erzählungen, die sich meist irgendwie um Lech am Arlberg drehen und von den Menschen in diesem Ort erzählen: Von der Schweinehirtin, dem (Fast-) Sieger und dem Taschendieb, der sozusagen auf Saisonarbeit im Wintersportgebiet ist.
Köhlmeier lässt seine Figuren in der Ich-Form selbst erzählen. Selbst da, wo sie vermeintlich anderes berichten, treten eigentlich sie selbst in den Mittelpunkt. Der Autor verurteilt nicht, sondern erzählt die Geschichten seiner Figuren: simpel, einfach, menschlich – einfach köhlmeierisch.
Michael Köhlmeier: Vom Mann, der Heimweh hatte. Zehn Erzählungen, 92 Seiten, Verlag Georg Hoanzl, Wien 2002, ISBN 3-902309-00-8, Preis: Euro 14,95.