Pater Alfonso Gil Blasco erzählt von seinem Leben bei den Karmeliten
Ausgabe: 2003/06, Karmeliten, Pater Alfonso, Orden, Stella Maris, Israel,
04.02.2003
- Heinz Niederleitner
Oft nimmt er in der Karmelitenkirche den Gläubigen die Beichte ab. Seit neun Jahren ist er in Linz. Davor war Pater Alfonso unermüdlich auf Wanderschaft im Dienste der Menschen und des Ordens.
„Zwei Monate musste ich auf meine Einkleidung warten, weil ich noch nicht 15 Jahre alt war“, erinnert sich Pater Alfonso mit einem verschmitzten Lächeln. 1918 kam er in Almazora (Spanien) zur Welt. Nach der Lateinschule trat er als Novize bei den Karmeliten ein und feierte mit 16 Jahren seine erste Profess. Zum Studium ging er in den Kovent „Stella Maris“ auf dem Berg Karmel im heutigen Israel. Damals stand das Land unter britischem Mandat.
Zurück in Spanien sollte der junge Ordensmann sein Studium eigentlich in Rom fortsetzen. Der spanische Bürgerkrieg und der anschließende Zweite Weltkrieg verhinderten dies. Also schloss er sein Studium in Spanien ab und wurde in Valenzia zum Priester geweiht. Als Professor vermittelt er das Erlernte weiter: Sein Fach ist Philosophie, vorwiegend Thomas von Aquin.
Nach dem Krieg zog es ihn zum Studium am Bibelinstitut nach Rom. Dort musste er nicht nur die alten Sprachen können, sondern auch lebende Sprachen erlernen. Zum Deutschlernen suchte er sich Österreich aus. „Ein spanischer Mitbruder ist nach Wien gegangen, aber ich habe mir gedacht, da werden wir nur Spanisch sprechen. Also bin ich nach Graz gegangen.“
Auch nach Abschluss seiner Studien arbeitete der Pater immer wieder in Österreich. Dass er länger hier blieb, war seinem Provinzial in Spanien zwar nicht recht, aber der Ordensgeneral hatte gemeint: „Lass doch den Pater Alfonso ein Jahr gehen, vielleicht überlegt er es sich und kommt nach Spanien zurück.“ Aber da sollte er sich täuschen.
1969 kam Pater Alfonso nach Wien, wurde Prior und lernte als Krankenhausseelsorger den damaligen Staatsoperndirektor Egon Seefehlner kennen. „Ab und zu bin ich dann in die Oper gegangen. Einmal habe ich Karten für einen Mitbruder aus Spanien besorgt und wir haben uns ‚Carmen‘ angesehen. Aber ich sollte es nicht nach Spanien melden, weil dort ‚Carmen‘ noch ein bisschen tabu war“, lacht Pater Alfonso.
Doch auch Wien konnte den umtriebigen Ordensmann nicht für immer halten: Ein zweites Mal geht der Karmelit ins Heilige Land. Als Stellvertreter des Karmelitengenerals in Rom leitet er „Stella Maris“. Nebenbei vervollkommnet er sein Hebräisch. „Einmal ist ein Reiseleiter mit südamerikanischen Touristen gekommen. Mit dem habe ich auf Hebräisch gesprochen. Da hat er zu den Reisenden gesagt: Seht ihr, Hebräisch ist gar nicht so schwer – auch Pater Alfonso kann es.“
In Jerusalem suchte und fand der schlaue Pater ein Haus für die Karmeliten. „Der Ordensgeneral hat mich damit beauftragt. Er hat gesagt: Den Pater Alfonso interessiert das, er kennt viele Leute und er kann viele Sprachen.“ In Absprache mit den Ordensoberen kam Pater Alfonso schließlich nach Österreich zurück. Seit neun Jahren lebt er im Karmelitenkloster in Linz. Er nimmt die Beichte ab, liest die heilige Messe und versieht so seinen Dienst als Priester. Ab und zu geht er jetzt wieder in die Oper. „Neulich habe ich den ‚Liebestrank‘ von Donizetti gesehen. Das hat mir sehr gefallen.“ Die Karte stammte vom Onkel eines Täuflings, der Opernsänger ist. „Nach der Taufe sind wir essen gegangen und haben viel gesungen. Ich auch“, erzählt der Pater.
„Meine Leute in Spanien fragen mich immer: Wann kommst du zurück? Da sage ich: Wenn ihr eine Arbeit für mich habt, dann komme ich zurück. – Vorerst will er in Linz bleiben: „Das ist für mich der richtige Platz. Ich bin in Linz sehr, sehr glücklich.“