Tschechien: Schwestern vom Guten Hirten führen ein Frauenhaus
Ausgabe: 2003/07, Ostrawa, Tschechien, Baumgartenberg, Freigassner, Maria Euphrasia, Gute Hirtinnen
11.02.2003
- Josef Wallner
Wie so vieles wurden auch Familienprobleme in der kommunistischen Ära unter den Teppich gekehrt. Mit ihrem Frauenhaus zählen die Schwestern vom Guten Hirten zu den Pionierinnen im Sozialwesen Tschechiens.
„Endlich können die Kinder wirklich schlafen.“ In diesem kurzen Satz bringt Frau Veronika X. auf einen einfachen Nenner, was sich seit dem Einzug in das Frauenhaus verändert hat. Ihr alkoholkranker Partner machte ihr und den drei Kindern das Leben zur Hölle. Vierzehn Monate später hat die junge Frau wieder eine Perspektive: „Ich habe hier Ruhe und Freiheit gefunden. Und eine Wohnung in Aussicht“ – dank der Mitarbeiterinnen im Haus Maria Euphrasia.
Die Schwestern vom Guten Hirten haben das Haus am Rand der osttschechischen Industriestadt Ostrava nach ihrer Ordensgründerin benannt. Diese nahm sich im Frankreich des 19. Jahrhunderts um Mädchen und Frauen an, die keinen Platz in der Gesellschaft hatten. In ihrem Geist führen die Guten Hirtinnen und ihre vier angestellten Betreuerinnen das Haus: „Wir versuchen zu verstehen und nicht zu verurteilen, wir kritisieren nicht, sondern bemühen uns um einen liebevollen Umgang.“
Sieben Frauen und deren Kinder haben unter dem Dach vom Maria Euphrasia Platz. Jede „Familie“ hat ihren Privatbereich. Das sei absolut notwendig, weil gerade in der ersten Zeit jede Mutter mit ihren eigenen Sorgen sehr belastet ist, erklärt Dana Zavadilová, die Leiterin des Hauses. Schritt für Schritt versuche man aber die Frauen in die Gemeinschaft einzubinden: So wird die Küche gemeinsam benützt und die Arbeit im großen Gemüsegarten kann ohnedies nur miteinander bewältigt werden.
Das Haus Euphrasia ist natürlich in das staatliche Sozialsystem eingebunden und arbeitet mit den Ärzten und Psychologen der Region zusammen. Die tschechische Republik schätzt die Arbeit der Guten Hirtinnen. Bei einer Bewertung aller Frauenhäuser im Land erreichte die Einrichtung der Schwestern mit Abstand die höchste Punktezahl. Dana Zavadilová: „Wir wollen den Frauen ihre Würde geben. Wir lassen sie spüren, dass sie eine ebenso wichtige Persönlichkeit wie der Präsident sind.“