Franz Klammer kramte vor laufender Kamera in einer Schachtel und fand sie letztlich doch noch – die Medaillen, auf die einst Österreich so stolz war. Abgelegt, nicht mehr wirklich bedeutsam. Damals, da war dies sein Leben!
Sie jagen um Hundertstel. In einem Moment kann alles vorbei sein. Erfolg oder Niederlage – eine Frage der Stoppuhr. So wird es in diesen Tagen bei der Ski-Weltmeisterschaft in St. Moritz vor Augen geführt.
Dieses Jagen um Medaillen passt in die moderne Welt, mit ihrem Bestreben, alles nur möglichst schnell und spektakulär über die Bühne zu bringen. Nicht allen gelingt dieses Leben auf den ersehnten Augenblick hin. Sie trainieren Jahre und treten doch nie aus dem Schatten derer, die eben mehr Glück hatten. Der Weg ist das Ziel“, sagt ein geflügeltes Wort. Nicht alles steht und fällt mit den wenigen Augenblicken des Erfolges. In der Sprache des Glaubens könnte es auch dieses bedeuten: Nicht erst im Himmel liegt Sinn. Dort vollendet sich das Leben. Doch wie die Bibel nahe legt, kommt es entscheidend darauf an, wie das Leben vor der Vollendung gelebt wurde. Wer die Spanne des Lebens gering achtet, weil es ja letztlich doch nur auf den Zieleinlauf ankäme, könnte das Leben versäumen. Es muss schon jemand bis zum Zieleinlauf gut unterwegs gewesen sein, um zu bestehen. Wer in seinem Leben nicht nur auf Augenblicke des Erfolgs achtet, für den wird das Glück eher von Dauer sein. Er braucht nicht in Schachteln danach zu kramen.