Nach Belegung eines einjährigen Kurses beauftragten die evangelische und die katholische Kirche in Oberösterreich letzte Woche ihre ersten Notfallseelsorger/innen.
„Ich habe mich deshalb gemeldet, weil ich selbst die Erfahrung gemacht habe, wie wichtig es in Notsituationen ist, Menschen zur Seite zu haben, die einem helfen“, erklärt Pfarrer Manfred Riss von der evangelischen Christuskirche in Linz-Spallerhof seine Motivation. Er hat mit zehn anderen Seelsorger/innen am einjährigen Kurs für Notfallseelsorge teilgenommen, den die evangelische und die katholische Kirche in Oberösterreich gemeinsam eingerichtet haben. Die Notfallseelsorger/innen sollen Menschen in außergewöhnlich belastenden Lebenssituationen beistehen und gleichsam erste Hilfe für die Seele leisten. In Deutschland schon länger eingeführt, gibt es sie jetzt auch in Oberösterreich. Aber nicht nur die großen Katastrophen, sondern auch jene Tragödien, die wenige Menschen betreffen, erfordern die Unterstützung der Notfallseelsorger/innen: ein Unglücksfall, ein unerwarteter Tod, ein Selbstmord – wo Menschen unter der seelischen Belastung zusammenzubrechen drohen, sind die Notfallseelsorger/innen zur Stelle. Besonders wichtig ist dabei der ökumenische Aspekt. „Sicherlich geht es nicht darum, in einer Notsituation dem anderen das Christentum überzustülpen, sondern aus der Liebe Gottes heraus – die allen Menschen gilt – wirklich seelische Stütze zu sein“, meint Pfarrer Riss.Er hat sein Praktikum im Rahmen der Ausbildung zusammen mit dem Kriseninterventionsteam (KIT) des Roten Kreuzes gemacht. Am Tag der Beauftragung hatte er seinen zweiten Einsatz. In beiden Einsätzen waren Familien von einem plötzlichen Todesfall betroffen. „Es hat sich jedesmal gezeigt, dass wir – ein KIT-Mitarbeiter und ich – zu zweit waren. So konnten wir uns aufteilen“, berichtet der Seelsorger. Ob die Menschen heute schlechter mit dem Tod umgehen können als früher? „Der Tod, der zu jedem Leben gehört, wird heute sicher aus unserer Gesellschaft verdrängt“, meint Riss. „Auf der anderen Seite wird jeder Mensch durch die Berührung mit dem Tod in eine seelische Krise kommen und kann daher Zuspruch, Stütze, Gemeinschaft brauchen. Das hat sich nicht verändert.“ In jedem Fall ist Pfarrer Riss überzeugt, dass ihm der Kurs auch einiges für die „normale“ pastorale Arbeit gebracht hat. In ein paar Monaten beginnt der nächste Kurs, der mit 19 Seelsorger/innen bereits voll belegt ist, die seelische Ersthelfer werden wollen.