Ausgabe: 2003/08, Papst, Vietnam, Nicholson, Krieg
18.02.2003
- Walter Achleitner
Selten war die US-Diplomatie mit ihrem Vatikan-Botschafter James „Jim“ Nicholson so rege wie in diesen Tagen.
Noch bis vor kurzem hatte der US-Botschafter im Vatikan, James Nicholson, Zeit zum Schreiben. So ist Ende November im Verlag „30 Tage“ sein erstes Opus erschienen: über die Geschichte der diplomatischen Beziehungen „zwischen den USA, der zeitlichen Supermacht, und dem Vatikan, der spirituellen Supermacht“. Darin bestätigt der 64-jährige Diplomat, unter Ronald Reagan habe eine „strategische Allianz“ zwischen Washington und dem Kirchenstaat gegen die Sowjetunion bestanden. Ähnliches würde sich Nicholson auch gegen den Irak wünschen. Und so versucht der einflussreiche Republikaner auch im Vatikan an Einfluss zu gewinnen. Beharrlich behauptet er, der Papst habe in der „wunderbaren Rede“ an die Diplomaten den Krieg keineswegs abgelehnt, sondern als „allerletzte Option“ offengelassen. Zwar hatte der Papst auf französisch gesagt, „Krieg ist nie unvermeidlich“, was aber vom Vatikan offiziell so ins Englische übersetzt wurde: „Krieg ist nicht immer unvermeidlich“.
Um die Diskussion über einen „gerechten Krieg“ für die USA zu entscheiden, holte der Botschafter nun vergangene Woche einen prominenten katholischen US-Theologen nach Rom. Michael Novak erklärte, seit 11. September herrsche Krieg: deshalb sei der Sturm auf Bagdad ein Verteidigungs- und kein Angriffskrieg. Zuletzt wenig erfreut zeigte sich Jim Nicholson, seit 1999 Ritter des Malteserordens, über Kardinal Angelo Sodano. Der Staatssekretär hatte an die „Lektion des Vietnam-Krieges“ erinnert. So „emotional anti-amerikanische Äußerungen“ müssen einen hochdekorierten Vietnam-Veteranen wie Nicholson eben „sehr verstimmen“.