Die Christen gehen wieder einen Sonderweg. Sie scheuen sich, mit Demonstranten auf einer Stufe gesehen zu werden, und seien es auch Friedensdemonstranten. Diesen Vorwurf bekamen jene zu hören, die für letztenSamstag zum Friedensgebet eingeladen hatten. Auch dem Aufruf der Kirchen-zeitung zum „Fasten und Beten für den Frieden“ gegenüber gab es ähnliche Vorbehalte.
Es kommt eben darauf an, was man unter Christsein versteht – und was man von der Kraft der Spiritualität hält. Fasten oder beten lösen den Menschen nicht aus der Welt heraus, sie lenken nicht von der Wirklichkeit ab, als ginge es um eine Technik der Zerstreuung oder Ablenkung. Spirituelle Menschen sind Realisten. Im Fasten und Beten stellen sich Menschen leiblich und seelisch in die Lebenswirklichkeit hinein. Sie lassen sich bis ins Innerste treffen.
Im Grunde geht es um den Gewinn an Standfestigkeit. Da ist Friede nicht einfach nur eine Sache der politischen Berechnung, wie man am erfolgreichsten seine politischen Ziele sichert. Friede wird zur Haltung, zur Gesinnung über den Anlassfall hinaus. Es ist eben nicht einfach, die linke Wange hinzuhalten, wenn man auf der rechten geschlagen wurde – wie es die Bergpredigt im Evangelium vor Augen stellt. Friede ist niemals nur eine Forderung nach außen und an andere. Nur, wer seine eigene Friedfertigkeit festigt, wird glaubwürdig nach außen hin Frieden fordern können. Darum geht es, wenn Christen um Frieden beten: Dass sie sich selbst als Werkzeuge des Friedens formen. Das sind nicht Waffen, sondern Menschen.