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Was ist ein Held?

Konferenz in München erinnerte an den Mut von Hans und Sophie Scholl
Ausgabe: 2003/09, Scholl, Zeitzeugen, Zivilcourage,
25.02.2003
- Heinz Niederleitner
Wer an die Geschwister Scholl denkt, der denkt vor allem an Mut und Zivilcourage. Was ist es aber, das einen wahren Helden ausmacht?

In sechs Flugblättern haben die Mitglieder der Weißen Rose über die wahre Gestalt des nationalsozialistischen Terrorregimes aufgeklärt und zu passivem Widerstand aufgerufen. Durch eine Unvorsichtigkeit wurden Hans und Sophie Scholl beim Verteilen des letzten Flugblattes im Lichthof der Universität München von einem, der nur seine Pflicht getan hat, festgehalten und der Gestapo zugeführt. Das Regime schlug mit aller Härte zurück und ließ den Kern der Weißen Rose hinrichten.

Am Samstag jährte sich der Tod von Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst zum 60. Mal. Aus diesem Anlass fand in München ein Jugendkongress statt. Eingeladen zu referieren waren Wissenschaftler aus verschiedenen Fachgebieten, aber auch Otto von Habsburg, der über seine Erfahrungen in der Politik der 30er Jahre und die Hilfestellung bei der Emigration von Österreichern ins Ausland berichtete.

„Was ist ein Held?“, lautete die Frage, die sich Prof. Josef Seifert, Philosoph in Lichtenstein, in seinem Vortrag stellte. Er kam zu dem Schluss, dass neben dem Kampf für ein höheres Gut Selbstlosigkeit, Liebe und Tugend zu den Eigenschaften eines Helden gehören. Heldentum hänge aber immer auch von den äußeren Umständen ab, die heldenhaftes Verhalten erst ermöglichen. „Im Paradies gibt es keine Möglichkeit, ein Held zu werden“, meinte er.

Gut und Böse unterscheiden

Der Religionsphilosoph und Anthropologe Prof. Jörg Splett erläuterte, warum jeder Mensch zwischen Gut und Böse unterscheiden kann, denn „Unrecht, das uns selbst trifft, erkennen wir“. Jeder Mensch könne daher zwischen Gut und Böse unterscheiden.

Beeindruckend waren die Schilderungen der Zeitzeugin Philomena Sauermann, die zur selben Zeit in München studierte wie die Geschwister Scholl. Sie schilderte die Situation, in der sich Studenten befanden, die dem Nationalsozialismus kritisch gegenüberstanden: „Wir konnten einander nicht trauen. Man kann sich diese Atmosphäre nicht vorstellen.“
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