Sie machen keine Schlagzeilen, sind aber bedeutender als die täglichen Nachrichten von Soldaten und Attentätern: die Frauen und Männer in Palästina und Israel, die sich für Versöhnung einsetzen. Zwei Oberösterreicher haben einige von ihnen besucht.
Die Spirale der Gewalt dreht sich immer schneller. Und kein Funke Hoffnung auf Besserung. In Gegenteil: Israel arbeitet mit Hochdruck an einer acht Meter hohen Betonmauer an der Grenze zu Palästina. In dieser Situation waren der Besuch von Mag. Martin Zellinger (Bibelhof Lest/Freistadt) und Mag. Andreas Paul (Angestellter der Diözesanfinanzkammer) bei friedensbewegten Israelis und Palästinensern ein besonderes Zeichen der Solidarität. „Danke, dass ihr gekommen seid!“ – Die Freude bei jedem einzelnen Gesprächspartner war groß. „Eigentlich sind aber wir die Beschenkten“, meint Martin Zellinger: „Es macht Mut, wenn man Menschen begegnet, die trotz aller Schwierigkeiten an die Zukunft glauben.“
Zu diesen Menschen gehört die Jüdin Raya Kalisman. Sie leitet das Zentrum für humanistische Studien in der Nähe der Hafenstadt Akko. Arabische, jüdische und drusische Schulkinder setzen sich dort – die meisten davon erstmals – mit der Geschichte der jeweils anderen Volksgruppe auseinander: „Wichtig ist das Leid der anderen kennen und achten zu lernen.“ Zu den Brückenbauerinnen im Land gehört auch Sr. Susan. Die amerikanische Ordensfrau betreut mehrfach behinderte Kinder am Stadtrand von Jerusalem. Alle vierzehn Tage macht sie sich aber auf den Weg in den Gaza-Streifen: mit einem Auto, das von der MIVA in Stadl-Paura zu Verfügung gestellt wurde. In Gaza, dem dicht besiedeltsten Gebiet der Welt, herrscht in vielen Lagern das blanke Elend: Dorthin bringt Sr. Susan Milchpulver und Bekleidung. Jede Fahrt ist ein zehnstündiges Abenteuer – durch israelische Militärkontrollen und wegen der Gewalt, die jederzeit aufflackern kann.
Martin Zellinger und Andreas Paul haben das von der israelischen Armee besetzte Bethlehem besucht. Dort trafen sie Nuha Khoury in ihrem Büro – die Wände von Einschusslöchern übersät. Trotz der ständigen Ausgangssperren versucht sie im Internationalen Begegnungszentrum ein minimales Kulturprogramm aufrecht zu erhalten: „Das ist unsere Antwort auf die steigende psychische Not in der Gesellschaft.“
Wenn die beiden Israelreisenden eine Prognose über die weitere Entwicklung abgeben sollen, sind sie natürlich ratlos: „Aber die Menschen – vor allem die Frauen, die ohne Aussicht auf Erfolg unbeirrt Versöhnung stiften, sind ein starkes Zeichen der Hoffnung.“