Absolut „in“ und doch von altehrwürdiger Abstammung ist die sonderbare Kürzelsprache mit ihren Ziffern und englischen Worten, die junges Publikum anspricht.
„reli4life“ – „Religion für das Leben“ steht auf dem Plakat, mit dem der „Verein der Freunde des katholischen Religionsunterrichts“ bei seiner Zielgruppe punktet. Ein zweites Plakat sagt den jungen Leuten, dass sie durch den Religionsunterricht „online2heaven“ gehen, sich eine „Direktverbindung zum Himmel“ aufbauen. Die Plakatserie benützt die Sprache der SMS, der kurzen Texte, die das „Short Message Service“, der „Kurzmitteilungen-Dienst“, via Handy rund um die Welt schickt.
Ziffern ersparen dabei Daumenweh, sie verkürzen das Eintippen der SMS-Botschaften. Neu an der Kürzelsprache des dritten Jahrtausends ist nur das Englische, jahrhundertealt hingegen die Verwendung von Ziffern: Wurde eine Maid innig geliebt, so hängte ihr der Bursch beim nächsten Kirchtag (Kirmes) ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift „Bleib mir 3, 4 + 4“ um. Und wenn die Angebetete die Aufforderung „Bleib mir treu, für und für“ begeistert annahm, schenkte sie ihrem Schatz ein Herz mit der Botschaft „Ich bleib dir 3, 4 + 4“. Das hören junge Männer heute seltener, eher müssen sie sich auf ihrem Handy via SMS sagen lassen, der Flirt war „J4F“: „Just for fun“ – „Bloß zum Spaß“ oder, wenn das Mädchen besonders nett ist, schickt sie ihm ein „2G4U“: „Too good for you“ – „Zu gut für dich“.Ob nun die „2“ unkorrekt für das englische „to“ oder „too“ (zu) steht, die „3“ für ewige Treue und die „4“ gleichermaßen für das englische „for“ wie das deutsche „für“ – die Botschaften kamen und kommen an. Vielleicht auch eine, die Generationen übergreift und den Weg zu einer sicheren „online2heaven“ weist: „Bleib der reli 3, 4 + 4!“