Am Grab von Marco d?Aviano (Wien, Kapuzinerkirche)
v. li.: Mayerl, Undesser
? Foto: Franz Josef Rupprecht GmbH, A-7123 M?nchhof,
Raiffeisenkasse M?nchhof, Konto.-Nr.: 17.608
Marco d’Aviano liegt in der Wiener Kapuzinerkirche begraben. Das Grab in der Kapuzinergruft wurde neu gestaltet. Eine Glasplatte gibt jetzt den Blick auf den Sarg frei.
Links: P. Erhard Mayerl und Provinzsekretär P. Gottfried Undesser.
Am 27. April wird Marco d’Aviano selig gesprochen. Der als „Retter des Abendlandes“ bezeichnete Kapuziner war ein begabter Friedensvermittler.
Der in Wien verstorbene Kapuzinerpater Marco d’Aviano (1631–1699) war ein „begabter Friedensvermittler“. Das wurde bei einem internationalen Symposion Ende Februar im Bildungshaus St. Gabriel bei Mödling unterstrichen.
Der Organisator der Tagung, Prof. Jan Mikrut, verglich die Umstände um die Türken-Belagerung von 1683 mit der aktuellen Irak-Krise. Auch damals sei die Frage gewesen: „Wer soll wann und wie verhandeln, um den Frieden zu retten?“ Eine gemeinsame Vorgangsweise der Staaten sei auch heute wegen der sehr unterschiedlichen Interessen schwierig, ein Weg zum Friedenserhalt scheine fast unmöglich.
Marco d’Aviano habe sich getraut, den politischen Machthabern „klar Ziele und Gefahren vor Augen zu stellen“. Voraussetzungen für seinen Erfolg seien „seine Spiritualität und sein apostolischer Eifer in der Einigung der geteilten christlichen Nationen in Europa“ gewesen.
Weil Marco d’Aviano als apostolischer Missionar und päpstlicher Legat an der Seite des Kaisers Leopold I. seine Aufgaben gut erfüllt habe, sei ihm schon von seinen Zeitgenossen der Titel „Retter Europas“ verliehen worden. „Es war ein Krieg von zwei Kulturen und Religionen, der sich in einem Gebiet ereignete, wo die Christen seit Jahrhunderten zu Hause waren“, rechtfertigte Mikrut die militärische Abwehr zur Rettung der „christlich-abendländischen Kultur“. Es wäre falsch, Marco d’Aviano als intoleranten Kämpfer gegen die Türken darzustellen, so Mikrut. Marcos Predigten im belagerten Wien haben damals bis zu 100.000 Menschen angezogen.
Bei allen Ermahnungen habe der Kapuzinerpater aber immer die Liebe und die Barmherzigkeit Gottes in den Vordergrund gestellt, betonte der französische Historiker Bernard Dompnier. Auch hätten seine Predigt-Reisen zur Entwicklung der zeitgenössischen Marienfrömmigkeit beigetragen. So habe Papst Innozenz V. nach der Zurückschlagung der Osmanen das Fest Mariä Namen eingeführt. Der Ordenshistoriker und Postulator des Seligsprechungsprozesses für Marco d’Aviano, P. Vincenzo Criscuolo, wies auf Betitelungen des künftigen Seligen hin, die in Briefen des Vatikans nachzulesen seien. So sei er als „Christopherus“, als „Träger Christi nach Europa seiner und unserer Zeit“, und als „Retter der gesamten Kultur und Zivilisation des Abendlandes“ gewürdigt worden.
Der Ordinariatskanzler des Militärordinariats, Msgr. Alfred Sammer, sagte, im damaligen Abwehrkampf „im Zeichen des Kreuzes“ sei es nicht darum gegangen, „Türken zu töten, sondern das Christentum zu verteidigen“. Er nannte die Schlacht am 12. September 1683 ein „Paradebeispiel für einen gerechten Krieg“, wie er im Katholischen Weltkatechismus und in der Moraltheologie der Kirche angedacht sei. Der „große Festtag“ des 12. September sei bis 1783 in beeindruckenden Prozessionen gefeiert worden, erinnerte Sammer.
Prof. Floridus Röhrig wies darauf hin, dass der österreichische Katholikentag 1933 den künftigen Seligen schon damals zum Thema gemacht habe. Die damalige Bedrohung durch den Nationalsozialismus sei mit der durch Marco d’Aviano erfolgreich zurückgeschlagenen Türkengefahr verglichen worden. Leider habe es beim Einmarsch der Nationalsozialisten 1938 in Österreich an „einer solchen heiligen Gestalt“ gemangelt.