In Europa ist für junge Menschen das Leben im „Hotel Mama“ ein Traum, in Syrien dagegen träumen sie vom Auswandern – in den „goldenen Westen“.
„St. Abraham“ am Stadtrand von Damaskus ist eine lebendige Pfarrgemeinde: Obwohl der Sonntag nicht arbeitsfrei ist, sind die Gottesdienste gesteckt voll, an die 1.700 Kinder kommen am schulfreien Freitag zur Katechese und eine große Jugendgruppe prägt die Pfarre: religiös, sozial und kulturell. „Dank der Kirche sind wir reich“, sagen die Jugendlichen, die allesamt materiell arm sind. Aber trotz der Heimat, die ihnen die Pfarre bietet, entführt sie ihre Fantasie immer wieder in den Westen.
„Wenn unsere Jugendlichen schlafen, träumen sie von der Auswanderung“, meint Pfarrer Shami Hosni. Es schwingt Wehmut in seiner Stimme mit, aber kein Vorwurf: „Mit einem normalen Einkommen hier in Damaskus kann sich ein Jugendlicher nie eine eigene Wohnung leisten.“ Diese ist wiederum für die Männer Voraussetzung, dass die Familie einer Frau, die Zustimmung zur Heirat gibt. Und von Verwandeten oder Freunden wissen die Jugendlichen, dass es in Europa oder in den USA anders geht. Selbst mit einem Hilfsarbeiterjob verdient man dort um ein vielfaches mehr als in Syrien ein Akademiker.
Prof. Hans Hollerweger aus Linz hat mit weiteren Vetretern der Initiative Christlicher Orient (ICO) kürzlich die Jugendlichen in St. Abraham besucht. Die ICO hat sich zur Aufgabe gemacht, in Europa über die lebendigen christlichen Gemeinden im Nahen Osten zu informieren, die Initiative unterstützt aber auch die Christen vor Ort. „Unsere finanziellen Beiträge sind eher bescheiden“, meint Hollerweger, „aber sie helfen doch manchen jungen Menschen sich eine Existenz aufzubauen und im Land zu bleiben.“ „Denn was für die Jugendlichen ein Traum ist, ist für die Christenheit in Nahen Osten ein Trauma“, erklärt der mit Rom vebundene melkitische Patriarch Gregor III. Laham. Und er ist froh über die Solidarität aus Österreich.