Nuntius Fernando Filoni hat Bagdad nicht verlassen. Denn trotz der Gefahren im Krieg bleiben Vatikan-Diplomaten bei den Menschen, in deren Land sie geschickt sind.
„Wir bekommen moralische Unterstützung von außen. Viele beten für uns, zahlreiche Menschen rufen uns an, um uns ihre Solidarität auszudrücken.“ Auch von Seiten der irakischen Bevölkerung hat Fernando Filoni viele Sympathiebekundungen dafür erhalten, dass er vor Kriegsbeginn nicht wie die meisten anderen Diplomaten Bagdad verlassen hat. Diese Entscheidung ist schon legendär: im Golfkrieg 1991 war sein Vorgänger der einzige noch verbliebene Botschafter im Irak. Der Süditaliener, seit 2001 Apostolischer Nuntius für Irak und Jordanien, räumt auch jetzt nicht Saadounstraße 904. Dass das Gebäude vom unmittelbaren Stadtkern etwas entfernt liegt, mag die Gefahr verringern. „Sehr besorgt“, wie der Erzbischof der Kirchenzeitung am Telefon sagte, verlief dennoch der 19. März: der zweite Jahrestag seiner Bischofsweihe. Kurz darauf war auch in der Nuntiatur der Alarm für den ersten Luftangriff zu hören. Der am 15. April 1946 in Manduria bei Taranto Geborene steht seit 22 Jahren im Dienste päpstlicher Diplomatie. Neben der Tätigkeit in Sri Lanka, Iran und Brasilien war Filoni auch „Kultur-Rat“ auf den Philippinen. Tatsächlich lebte er jedoch zum „Studienaufenthalt“ in Hongkong. Nach der Rückgabe der britischen Kronkolonie war er damit der einzige Vatikandiplomat mit Wohnsitz auf dem Gebiet der Volksrepublik China. Und das trotz diplomatischer Eiszeit zwischen Peking und Rom. Eine „diskrete, der Situation angemessene Präsenz“, wie es nach Bekanntwerden im Vatikan verlautete. Walter Achleitner