Ist Gott auf Urlaub?“, fragen in dieser Ausgabe der Kirchenzeitung Iraker, die den gegenwärtigen Krieg noch bitterer erleben, als Menschen im sicheren Österreich dies tun. „Wo bleibt Gott?“ oder „Kann denn Gott dies zulassen?“ Diese Frage wurde in den grausamsten Stunden der Menschheit immer wieder gestellt. In Auschwitz, Vietnam, jetzt im Irak. Aber die Täter haben Namen – damals wie heute. Und es ist nicht der Name Gottes, selbst dann nicht, wenn sich die Hauptakteure des gegenwärtigen Krieges sogar auf Gott berufen – als wollten sie sich Gott als Komplizen ihrer Kriegsinteressen an ihre Seite holen.
Bilder wurden gezeigt, in denen amerikanische Soldaten sich zum Gebet niederknien, ehe es an die Front geht. Muslime werden das selbe tun. Soldaten haben Angst um ihr Leben. Befehl gegen Gewissen. Ich oder der da drüben auf der anderen Seite? Aber ist es Gott, der sie in diesen Zwiespalt treibt?
Je mehr je länger Menschen ihre Gotteserfahrungen machten, desto deutlicher wurde: Gott ist weniger bei den Starken und Mächtigen zu vermuten. Er ist bei den Schwachen, den Opfern. Und: Gott hat den Menschen die Möglichkeit gegeben, nicht nach dem Recht des Stärkeren zu handeln, sondern den Weg des Friedens zu suchen. Diese Möglichkeit hätte es auch in diesem Krieg gegeben. Täglich bietet sich der Weg des Friedens neu an. Besser heute als morgen. Besser morgen als nie. Nur: Menschen müssen es vollbringen.