Die Kinder der Hebräer zogen dem Herrn entgegen, Ölzweige tragend.“ So lautet es in einem von vielen Kirchenchören am Palmsonntag gesungenen Lied. Die Osterzeit ist zum Fest der Kinder geworden. Sie haben Ferien. Man bindet Palmbuschen, weil die Kinder daran Freude haben. Verabschieden sich am Gründonnerstag die Glocken, so sind die Tage der Ratschenkinder angebrochen. Und schließlich Ostern selbst. Eiersuchen und Eierpecken – das macht man vor allem der Kinder wegen. Ist doch schön zu sehen, wie sie daran Freude haben.
Wie anders in den Tagen Jesu. Die „Kinder der Hebräer“ waren keine Kleinkinder – zumindest nicht nur. Es waren die aus dem Volk Israel abstammenden Menschen, jene, die aus der großen Geschichte Gottes mit den Menschen kommen. Die Leidensgeschichte und die Geschichte der Auferstehung Jesu sind keine Kindergeschichten. Erwachsene sind die Beteiligten. Sie jubeln Jesus zu. Sie fordern seinen Tod. Einer verleugnet ihn, eine reicht ihm ein Tuch. Und schließlich die Zeugen der Auferstehung: Auch sie waren Erwachsene.
In ihren geschäftigen Jahren, wenn sie gesund und leistungsfähig sind, vergessen Menschen leicht, dass sie selbst gemeint sind – nicht nur ihre Kinder – wenn Jesus spricht. Und auch nicht erst, wenn die Tage des Alters und der Krankheit kommen, spricht Gott zum Menschen. Die Dramatik vom Leiden, Tod und Auferstehung fordert heraus. Nicht ein paar versteckte Ostereier gilt es zu entdecken, sondern das Geheimnis des Glaubens.