Eigentlich sollte an dieser Stelle etwas vom Hauptereignis des Christenglaubens zu lesen sein – Ostern. Das Fest, von dem die Hoffnung ihre Nahrung bezieht. Für Millionen Menschen im Nahen Osten ist jetzt nicht die Zeit der Hoffnung. Nach diesem Krieg, für dessen Begründung noch immer jeder Beweis fehlt, steht jetzt Syrien auf der Liste der von Krieg bedrohten Länder.
Wir vermuten Chemiewaffen in Syrien“ , sprach Präsident George W. Bush. Was die Vermutung eines US-Präsidenten bedeutet, hat die Welt erlebt. „Wir erwarten Zusamenarbeit von Syrien“, sagte Bush weiter. Sonst wird ja mit jemandem zusammengearbeitet Das kleine Wort „von“ stellt klar: Erwartet wird Gehorsam, oder – hier wohl genauer zu nennen: Unterwerfung. Einer stellt die Bedingungen, der Andere hat sie zu erfüllen.
Immer deutlicher zeigt sich: Es geht nicht bloß um einen gefährlichen Despoten im Irak. Es geht um die Frage einer Vorherrschaft insgesamt in der Weltpolitik. Die Vereinigten Staaten von Amerika verdanken ihre Existenz einer Expansionspolitik europäischer Staaten; aber das ist mehr als 200 Jahre her. Was für das Funktionieren ihrer Macht- und Wirtschaftsstrukturen wichtig ist, machen sie sich nun abhängig. Die Auseinandersetzung zwischen den Machtzentren des Westens wird auf den Schultern von Drittländern ausgetragen. Ein Verdacht genügt, um zum Vorwand zu werden. Europa legt zur Zeit die Fundamente für seine zukünftigen Strukturen. Das Wort „mit“ möge in der Europäischen Verfassung wichtiger sein als das Wort „von“.