Bei der Unterzeichnung der EU-Beitrittsverträge in Athen fielen viele große Worte. Von einem neuen Kapitel Europas war da die Rede, von der endgültigen Überwindung der Spaltung des Kontinents. Was da beschworen wurde, ist zur Zeit freilich noch Zukunftsmusik. In Wahrheit ist Europa eher ein Karren, wo eifrig an verschiedenen Strängen gezogen wird: Die Großen versuchen die Kleinen auszubooten; in der Förderungspolitik verteidigen die Hausherren ihre vollen Töpfe gegen die Neuankömmlinge; in der Außenpolitik kocht jeder sein eigenes Süppchen; in der Asyl- und Entwicklungspolitik verweigern die Nachzügler Fortschritte. Noch ist Europa nur ein Kontinent und keine Gemeinschaft.