Ausgabe: 2003/17, Jakobspilger, Pilgerweg, Santiago de Compostela, Jakobus,
22.04.2003
- Josef Wallner
Mit der zunehmenden Attraktivität des Jakobsweges werden auch die vom Ziel Santiago de Compostela weit entfernten Routen erforscht. Die Kirchenzeitung geht den alten Pilgerwegen durch Oberösterreich nach.
Die Wege nach Santiago de Compostela kann man mit einem Flusssystem vergleichen, meint Dr. Hans Wilfinger, Mitglied der Erzbruderschaft und Jakobusweg-Experte. Viele kleine Rinnsale vereinen sich zu Bächen, die schließlich zu einem Strom werden. Für den Jakobsweg heißt das: Über ganz Europa liegt ein Netz von Straßen, die sich in Frankreich zu vier Hauptströmen vereinen und schließlich in Spanien als eine Route zum Grab des Apostels Jakobus führt. Auch Oberösterreich hat Teil an dieser geistlichen Infrastuktur Europas. Vor allem ab Mitte des 11. bis Mitte des 13. Jahrhunderts waren die Wege durch Oberösterreich stark von Pilgern frequentiert. „Wenn man in Österreich Pilgerwege festlegen will, folgt man am besten den Kirchenpatrozinien des heiligen Jakobus des Älteren, den Marienheiligtümern sowie den Klöstern und Stiften mit ihren Herbergen“, erklärt Wilfinger. Natürlich lassen sich nicht nicht alle 25 in der Diözese Linz dem heiligen Jakob geweihten Kirchen mit dem Jakobsweg in Verbindung bringen.
Alle Straßen führen ...
Für Oberösterreich zeigt Wilfinger folgende Wege auf: Pilgern aus dem südwestlichen Teil Tschechiens und dem Mühlviertel waren Oberneukirchen (Jakobuskirche) beziehungsweise Rohrbach (Jakobuskirche) Stationen auf dem Weg, der sie nach Passau, Reichersberg und Altötting führte. Aus der Gegend um Budweis und Freistadt kommend, bildeten für die Wallfahrer die beiden Jakobskirchen in Neumarkt und Perg Fixpunkte. Auch die Route von Mähren durch das Waldviertel (Jakobskirchen in Kautzen, Zwettl, Altmelon, Nöchling) führte nach Perg.
Ein Knotenpunkt von Jakobsrouten waren Asten und St. Florian. Dort trafen die Wege von Böhmen und Mähren sowie die Route aus Polen zusammen, die von Klosterneuburg entlang der Donau führte.
Kreuzungspunkt bei Asten
Der Weg ab Asten und St. Florian war zweigeteilt, so Wilfinger. Je nach politischer Lage – oft gab es Fehden zwischen einzelnen Adelsgeschlechtern – und den persönlichen Vorlieben wählten die Pilger ihre weitere Route. In ruhigen Zeiten dürften die Wallfahrer eher den Weg über Hörsching und dann entlang der heutigen Bundesstraße 1 gewählt haben. Exakte Straßenverläufe lassen sich natürlich nicht ausmachen, aber einzelne Anlaufstellen.
So ist vermutlich in Vöcklabruck am Platz des heutigen Pfarrhofs eine Herberge für Jakobspilger gestanden. Nicht als historische Rekonstruktion, sondern als geistlichen Impuls hat Ernst Pointl, Leiter des Maximilianhauses in Puchheim, Wege durch den Bezirk Vöcklabruck mit dem Symbol des Jakobsweges, mit Pilgermuscheln, markiert. Ein Zwischenziel, an dem Pilger sicher nicht vorbeigegangen sind, war Maria Plain. Weiter verlief der Weg über Unken nach Tirol.
Wenn die Pilger von St. Florian weg die südliche Route wählten, waren die Stifte Kremsmünster und Schlierbach (ursprüngliches Jakobspatrozinium), Windischgarsten (Jakobskirche) und Spital am Pyhrn Stationen am Weg.
Zur Sache
Am 30. April wird der Sprecher des Priesterrats, Pfarrer Dr. Walter Wimmer, von Maria Einsiedeln aus zu Fuß nach Santiago de Compostela aufbrechen. Er nimmt sich diese Auszeit anlässlich seines 60. Geburtstages und möchte zum Jakobsfest, am 25. Juli 2003 Santiago erreichen: „Der Weg ist ein Symbol des Lebens. Ich möchte durch die Fußwallfahrt die Gewissheit in mir stärken, dass das Leben kein Labyrinth ist, sondern ein Ziel hat.“