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„Es ist keine Abrechnung“

Im Film „Hannas schlafende Hunde“ erzählt Regisseur Andreas Gruber von einer katholischen Kindheit in den 1960er Jahren. Ein Gespräch über seine Generation und die Befreiung aus der Opferrolle.
Ausgabe: 2016/11, Gruber, Hannas schlafende Hunde, Opferrolle
16.03.2016
- Interview: Christine Grüll
Ihr neuer Film handelt von einer Familie in den 1960er Jahren. Was reizt Sie an diesem Thema?
Andreas Gruber: Die Historikerin Erika Weinzierl hat mich einmal gebeten, einen Film über die 1960er Jahre zu drehen. Dafür braucht man aber eine Geschichte, die genau in dieser Zeit abgelaufen ist. Mit dem Buch von Elisabeth Escher war diese ­Geschichte da. Vom zeitgeschichtlichen Hintergrund her ist der Film eine Fortsetzung von „Hasenjagd – Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen“. 20 Jahre nach dem Krieg schreit niemand mehr laut „Heil Hitler“, aber in den Köpfen steckt es sehr wohl noch. Der Film ist auch eine Reminiszenz an meine Kindheit. Ich gehöre zu einer Generation, die sehr nüchtern aufgewachsen ist. Einige Szenen – zum Beispiel mit der bösartigen Religionslehrerin – erzählen beklemmend von der damaligen religiösen Erziehung. Warum wollten Sie das zeigen?
Gruber: Ich hoffe, dass der Film nicht als generelle Abrechnung mit der katholischen Kirche gesehen wird. Bei der Religionslehrerin ist es mir um etwas anderes gegangen.
Sie wurde aus dem Sudetenland vertrieben.
Obwohl sie Leid, Vertreibung und Entrechtung selbst mitgemacht hat, hat sie trotzdem keine Lernerfahrung gemacht. Sie behält sich ihr Feindbild von den Juden.  
Das Ende des Films lässt aufatmen, weil sich eine der Hauptfiguren aus ihrer Opferrolle befreit. Beschäftigt Sie das Thema? Gruber: Dieser Punkt ist mir sehr wichtig: Es ist eine Geschichte über die Befreiung aus der Opferrolle. In einer Szene, am Karfreitag, vermengt die Mutter die Passion, den christlichen Opfermythos, mit ihrem eigenen Opfersein aufgrund ihrer politischen und rassischen Verfolgung. Aber das sind zwei Paar Schuhe. Es geht nicht um Opfer um des Opferstatus willen, sondern um Erlösung. Die wichtigste Szene kommt gegen Ende des Films, wenn Herr Öllinger, ihr Peiniger, mit der Mutter reden will und sie ihn einfach stehen lässt. Damit ist sie auch kein Opfer mehr. Der Film hat kein Happy End, sondern eine Perspektive, wie die Leute weiterkommen können in ihrem Lebensentwurf. Es geht mir darum: Wie überwinde ich das Opfersein, politisch und persönlich? Ich halte das Thema gesellschaftlich für sehr wichtig. Johannes Silberschneider spielt die Rolle des Kaplans, der die halbjüdische Familie schützt. Entspricht das dem damaligen christlich-jüdischen Verhältnis?
Gruber: Das lässt sich so nicht verallgemeinern. In der damaligen Pfarre Wels-Vorstadt hat es tatsächlich einen Kaplan gegeben, der jüdischen Menschen Taufurkunden ausgestellt hat. Diese Dokumente haben aber auch nicht geholfen, weil die Nationalsozialisten die rassischen Wurzeln herangezogen haben.

Durch Ihren Film „Hasenjagd“ hat eine breite Öffentlichkeit über den Nationalsozialismus gesprochen. Was erhoffen Sie sich für diesen Film?

Gruber: Es wäre vermessen, sich zu wünschen, dass das noch einmal passiert. Ich wünsche mir, dass das Publikum nicht in Abwehrhaltung verfällt, wenn ein schräger Satz fällt. Filmbesprechung: Die schlafende Hunde sind aufgewacht
Buchbesprechung:
Hannas schlafende Hunde – das Buch von Elisabeth Escher
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