Am 7. April lädt die KirchenZeitung zu Film und Gespräch mit dem Regisseur Andreas Gruber. Sein neuer Film „Hannas schlafende Hunde“ erzählt von einer katholischen Kindheit in den 1960er Jahren in Oberösterreich und vom christlich-jüdischen Verhältnis.
Donnerstag, 7. April 2016 Moviemento Linz, OK Platz 1 17 Uhr: Filmvorführung (bis ca. 19 Uhr) anschließend Gespräch mit Regisseur Andreas Gruber Eintritt (ermäßigt): 7 Euro.
Eingeladen sind besonders auch jene, die in ihren Pfarren und Gemeinden selbst eine Filmvorführung samt einem Gespräch mit dem Regisseur organisieren möchten.
Anmeldung: KirchenZeitung, Kapuzinerstraße 84, 4020 Linz, Tel. 0732/76 10-39 44, Fax-DW: 39 39, E-Mail: service@kirchenzeitung.at, Kennwort: Film
Film: Hannas schlafende Hunde
Johanna ist neun Jahre alt und lebt mit ihren Eltern, ihrem Bruder und der Großmutter Ruth in einem Gemeindebau in Wels. Johanna singt gerne und will an einem Wettbewerb teilnehmen. Die Mutter verbietet es. Johanna soll nicht auffallen. Vor allem soll sie sich – das leben ihre Eltern vor – den Geboten der katholischen Kirche entsprechend verhalten. Doch gerade die Religionslehrerin behandelt das Mädchen besonders gehässig. Auch andere Menschen verhalten sich eigenartig. Die Mutter schweigt auf Johannas Fragen und will sie besonders von ihrem ehemaligen Arbeitgeber fernhalten. Ein Hausmeister, immer noch Nationalsozialist, ist zudringlich und beschimpft die Familie. Nur die blinde Großmutter Ruth (dargestellt von Hannelore Elsner) weiht Johanna ein: in das Geheimnis ihrer Herkunft.
Nazis, Kirche, Opfer-Sein
„Hannas schlafende Hunde“ erzählt von einem Mädchen, das das Kind-Sein hinter sich lässt. Es ist die Zeit des Wirtschaftswachstums. Der Krieg liegt 20 Jahre zurück. Nationalsozialistische Täterinnen und Täter und ihre Opfer leben Tür an Tür. Die Beziehung ist brüchig. Das sind aber nur zwei der Themen, die der Film auf spannende Weise aufgreift. Die Lehre der katholischen Kirche wird meist in Form von Regeln, frei von jeglicher Spiritualität, in den Alltag übernommen. Das zentrale Thema ist das Opfer-Sein. Die Mutter (Franziska Weisz) musste ihre Herkunft verschweigen, um nicht von den Nationalsozialisten verschleppt zu werden. Ihr Arbeitgeber hat das ausgenützt und sie zum zweiten Mal zum Opfer gemacht. Die Mutter schafft es schließlich, aus dieser Rolle und damit auch aus gesellschaftlichen Zwängen, die sie zum Opfersein drängen, auszubrechen.
Liebe zum Detail
Der Film, mit Liebe zum Detail ausgestattet, versetzt das Publikum glaubhaft in die 1960er Jahre. Das großartige Schauspielerensemble schafft eine Atmosphäre des Schweigens. Sie wird am Ende aufgelöst. Zurück bleibt die Frage, ob die schlafenden Hunde der Vergangenheit tatsächlich schon alle geweckt und gezähmt wurden.
Interview mit Andreas Gruber