Wenn jemand einen Arbeits- oder Autounfall hat, dann wird alles an Rehabilitation getan, damit er/sie wieder einer regulären Arbeit nachgehen kann. Das rechnet sich nicht nur wirtschaftlich, sondern es entspricht auch der Würde der Betroffenen und dem Recht auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Für Menschen mit Behinderungen gilt diese Regel offenbar nur sehr eingeschränkt: Die Integration bei der Ausbildung bleibt oft nur papierenes Recht, weil es kein Geld für entsprechende Lehrkräfte gibt. Viele Betriebe kaufen sich lieber frei als Menschen mit Behinderungen eine Chance auf eine leistbare Arbeit (nicht ein Almosen!) zu geben. Für die Verwirklichung des Grundsatzes „So viel Eigenständigkeit als möglich und so viel Hilfe als notwendig“ fehlen trotz der Fortschritte in den vergangenen Jahren noch immer ganz wichtige Bausteine.
Hans Baumgartner
Neu denken üben
Haben Sie sich nicht auch oft gewundert? Die unzähligen Gipfel, zu denen sich Politiker treffen, enden meist mit dem erwarteten Ergebnis. Überraschende Wenden sind selten. Vom „Scheitern“, wie jetzt beim Gipfel zur EU-Verfassung, wird praktisch nie gesprochen. Noch eher wird ein Kompromiss gesucht, dem alle zustimmen – der aber das, worum es geht, meist bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Insofern tut es der Verfassung noch keinen Abbruch, dass sie nicht sofort beim ersten Anlauf durchgegangen ist. Jetzt gilt es die Zeit zu nutzen, um die wenigen offenen Fragen in Ruhe zu klären. Es ist auch die Übung, das neue europäische Denken höher zu bewerten als das alte in nationalen Grenzen. Denn letztlich ist daran die Verfassung nun gescheitert.