Wünsche sind Gesellschaftswesen. Sie treten kaum einzeln auf, sondern vorwiegend in Rudeln, oft sogar ziemlich aufdringlich. Wünsche formieren sich zu Listen. Selten kommt einem jemand unter, der sagt: „Nur einen einzigen Wunsch habe ich“ – es sei denn, es wäre der letzte.
Spaß beiseite. Die Zeit des Wunschlistenschreibens ist da. Die Verfasser der Listen denken dabei vor allem an sich selbst: Was fehlt mir noch zu meinem Glück? Seltsam, dass gerade zu Weihnachten dieses An-mich-selber-Denken so groß geschrieben ist. Die Zielrichtung ist eigentlich die umgekehrte: „Wünscht Dir“ oder „Wünscht Euch“ schreibt man unter die Weihnachtspost. Im Zentrum eines solchen Wunsches steht nicht der Wünschende, sondern der Mensch, dem man wünscht. Und das ist auch nahe liegend. Die Menschen sind nicht zum neugeborenen Jesus gepilgert, um ihm ihre Wünsche vorzutragen, vielmehr, um ihm etwas darzubringen. Im „Christkind“ offenbart Gott sich dem Menschen in seiner Schwachheit. Was Menschen zur Krippe bringen, ist entscheidend, nicht was sie sich von dort holen – nach dem Motto „Liebes Christkind, bringe mir“. Was Menschen an Wünschen im Zusammenhang mit der Weihnachtskrippe hegen, dazu wollen sie selber etwas beitragen. Wer Frieden wünscht, stifte Frieden. Wer jemandem Gesundheit wünscht, entlaste ihn. Wer Glück wünscht, der sorge dafür, dass dieser Mensch auch glücklich sein kann. Die Erfüllung solcher Wünsche schlägt sich selten in Geschäftsbilanzen nieder. Es sind Wünsche fürs Leben.