Pfarre Steinerkirchen/Innbach richtete ein Turmmuseum ein
Ausgabe: 2004/08, Maria Rast, Steinerkirchen, Kirchturm, Wallfahrtskirche, Turmmuseum, Ausstellung, Waldhör
17.02.2004
- Heinz Niederleitner
Wer die Geschichte der Pfarre Steinerkirchen/Innbach kennen lernen möchte, muss nicht hinab- sondern hinaufsteigen: in den Kirchturm der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Rast.
„Als wir im Jahr 2000 das Geläute in der Pfarrkirche Maria Rast saniert haben, war der Aufgang im Turm schon fast in einem kriminellen Zustand“, erzählt Pfarrer Konrad Waldhör. Im Jahr 2003 ging die Pfarre dann die Sanierung an: Alle Böden und schadhafte Tram-Blöcke wurden herausgerissen. Unter Anleitung eines Fachmannes baute ein Team neue Böden und Stiegen in einem hellen Holz ein, das sehr gut zum feinen, roten Mauerwerk des Turmes passt. Gleichzeitig wurde im Dachboden über der Kirche ein Rundgang angelegt, der es möglich macht, die hervorragende Zimmermannsarbeit vergangener Jahrhunderte zu bewundern. Der Turm selbst ist jetzt kein leerer, verlassener Raum mehr, sondern gefüllt mit Ausstellungsstücken aus der Pfarrgeschichte: eine Liste von Priestern, Organisten, Mesnern, Bilder und alte Fahnen, die berühmten „Klingelbeutel“ an langen Stangen u. v. m. Die Ausstellung ist jedoch nicht reine Nostalgie: Ein Stahlhelm erinnert an die „Stahlhelmbegräbnisse“ der NS-Zeit, ein Text merkt an, dass es eine naive Art der Vergangenheitsbewältigung war, Sammelbüchsen aus dieser Zeit einfach nach dem Krieg weiterzuverwenden. Auch eine Ecke mit Erinnerungsstücken an Pfarrer Heinrich Steiner verweist auf dieses Kapitel der Vergangenheit: Steiner war über fünfzig Jahre Pfarrer in Steinerkirchen – unterbrochen von sechs Jahren im Konzentrationslager. „Die NS-Geschichte von Steinerkirchen war nach dem Krieg unter den Teppich gekehrt worden“, sagt Pfarrer Waldhör. Mit den Ausstellungsstücken möchte er erste Anstöße zur Aufarbeitung geben.
Ein letztes Bauvorhaben steht dem Turmmuseum noch bevor: Der nun vom Totengräber genutzte unterste Raum soll auch leer geräumt und so für die Ausstellung nutzbar gemacht werden.
Den Schlüssel zum Turmmuseum erhält man am einfachsten im Pfarramt in Kematen/Innbach (Tel. 07247/8207).