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Päpstliches Geheimnis

Durch Humor und Güte gewann Papst Johannes XXIII. die Menschen
Ausgabe: 2004/08, Papst, Humor, Güte, Klostermann
17.02.2004
- Wilhelm Zauner
Immer gut für Überraschun-gen war Papst Johannes XXIII. Das hat auch der Konzilstheologe Ferdinand Klostermann erlebt. Prof. Wilhelm Zauner, emeritierter Professor für Pastoraltheologie, erzählt die Erfahrung Klostermanns.

Knapp drei Monate nach seiner Wahl zum Papst kündigte Johannes XXIII. ein Allgemeines Konzil an. Er verlangte von seiner Kurie, sofort mit den Vorbereitungen dafür zu beginnen. Das war schwierig, weil niemand damit gerechnet hatte, aber auch weil der neue, 77-jährige Papst in vieler Hinsicht ganz anders war als sein Vorgänger. Pius XII. war in den fast 20 Jahren seines Pontifikats schon berechenbar geworden; der neue Papst bereitete manche Überraschungen. Jener war voller Ernst und Feierlichkeit, dieser konnte in der Öffentlichkeit lachen und zum Lachen bringen.

Das geheimnisvolle Paket

Ferdinand Klostermann aus Linz war einer der Ersten, die als Konzilstheologen berufen wurden. Er wurde zu einem Empfang in den Vatikan eingeladen. Der Papst begrüßte die neuen Mitarbeiter und erläuterte ihnen seine Absichten. Auf einmal öffnete sich die Türe einen Spalt; ein älterer Mann schaute herein und verschwand wieder. Die Türe wurde weiter aufgeschoben, der Mann erschien wieder, neben ihm ein zweiter mit einem verschnürten Paket unter dem Arm. Der Papst ließ sich nicht stören. Ein Ordner versuchte, die zwei älteren, ländlich gekleideten Männer wieder hinauszudrängen. Aber der Papst winkte sie zu sich, nahm das Paket in Empfang und wies ihnen einen Platz an. Der Ordner wollte ihm das Paket gleich abnehmen, aber er gab es ihm nicht, hielt es nun selbst in der Hand und setzte so seine Ansprache fort.

Der Käse des Papstes

Weil er gemerkt hatte, dass einige Teilnehmer durch diese ungewöhnliche Szene irritiert waren, sagte er am Ende: „Ich bin Ihnen wohl eine Erklärung schuldig. Die zwei Männer, die Sie hoffentlich in Ihrer Aufmerksamkeit nicht gestört haben, sind meine Brüder. In dem Paket, das sie mir gebracht haben, ist Käse von zu Hause. Wenn ich ihn aus der Hand gegeben hätte, wäre er wohl irgendwo in der Küche verschwunden. Diesen Käse möchte ich aber selber essen, denn auch mir schmeckt das am besten, was ich von zu Hause kenne.“ Da der Papst selbst dabei lachte, löste sich das päpstliche Geheimnis in allgemeine Heiterkeit auf.
Wenn Klostermann diese Begebenheit im Freundeskreis erzählte, sagte er dazu: „Das hat uns Neulinge näher zusammengebracht als alle päpstlichen Erläuterungen.“




Der lächelnde Papst

Papst Johannes XXIII. war für seinen Humor bekannt. So meinte er einmal: „Zu mir wurde gesagt, dass ich bescheiden bin, weil ich die Sedia gestatoria (päpstlicher Tragsessel) nicht will, aber ich bin nicht demütig. Ich bin dick und habe Angst herunterzufallen.“ Es wird auch erzählt, dass er den zwölf Männern, die seinen Thron auf den Schultern tragen mussten, eine Zulage wegen „päpstlichem Übergewicht“ gewährte – ob wahr oder gut erfunden muss offen bleiben. jw
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