Hoffnung auf kirchlichen Frühling hat sich in Tschechien nicht erfüllt
Ausgabe: 2004/09, Renöckl, Kaplanek, Böhmen, Tschechien, Kirche
25.02.2004
- Heinz Niederleitner
Die Probleme der katholischen Kirche in Tschechien gehen auch uns an, sagt Ethikprofessor Helmut Renöckl.
Fast drei Viertel der Tschechen sind konfessionslos, nur 22,4 Prozent bekennen sich zur katholischen Kirche. „Es gibt zwar kaum noch überzeugte Atheisten, das Interesse an Spiritualität ist groß, doch die Kirchen können davon nicht profitieren“, sagt Helmut Renöckl, Ethikprofessor in Budweis bei einer Pressekonferenz in Linz. Probleme der Kirche, die auch bei uns vorhanden sind, würden daher in Böhmen besonders gut sichtbar, wie in einem Vergrößerungsglas. „Solche Länder sind die Versuchslaboratorien für die Zukunftsfähigkeit christlicher Kirchen“, sagt Renöckl.
Dr. Michal Kaplánek, Jugendseelsorger der Diözese Budweis, sieht die Probleme auch in den verkrusteten Strukturen der kirchlichen Obrigkeit. „Die Situation muss schlimmer werden, damit sich etwas ändert.“ Er berichtet von spirituellen Fragen der Menschen. Allerdings wird in Tschechien Gläubigkeit leicht mit kritikloser Hörigkeit gegenüber römischen Erlässen verwechselt. Selbst die tschechischen Katholiken seien kirchenkritische Christen.