Dass sich unter den Opfern des Euthanasieprogramms in Schloss Hartheim auch viele Priester befanden, war bekannt. Nun wurden im Rahmen eines Forschungsprojekts die Namen der Ermordeten erhoben.
Die Lebensgeschichten der oberösterreichischen Christen, die wegen ihres Widerstands gegen das NS-Regime verfolgt wurden, werden seit Jahrzehnten aufgearbeitet. Im Vergleich zu anderen Diözesen ist die Arbeit weit gediehen. Ein weißer Fleck waren bisher noch jene Opfer von Hartheim, die aus dem Priesterblock des KZ Dachau zur Euthanasie gebracht wurden. Im Rahmen eines Forschungsprojekts hat der deutsche Theologe Manfred Wendel-Gilliar die Namen der Ermordeten erhoben. In der Lagersprache „Invalidentransporte“ genannt, wurden alte und kranke Häftlinge sowie Roma und Juden nach Hartheim gebracht. Nach den bisher bekannten Unterlagen verlässt der erste Invalidentransport mit Priestern und Ordensleuten am 3. März 1942 das KZ Dachau. Den Häftlingen war die Verlegung in ein Erholungslager versprochen worden, das wirkliche Ziel aber war die Vernichtung durch Vergasung. Insgesamt wurden von Dachau aus auf „Invalidentransporte“ rund 520 Priester und Ordensleute geschickt. Die Mehrzahl von ihnen war polnischer Nationalität. Wendel-Gilliar ist Autor einer Dokumentation, in der alle rund 3.000 Priester und Ordensleute aufgelistet werden, die von 1933 bis 1945 in Dachau interniert waren. Eine Karteikarte verzeichnet alle greifbaren Informationen über jeden einzelnen Häftling. Das Werk ist auf sieben Bände angelegt. Für den soeben erschienenen dritten Band, der die orthodoxen Geistlichen und die katholischen Diözesen L bis M umfasst, hat Dr. Johannes Ebner, Direktor des Linzer Diözesanarchivs, das Vorwort verfasst.
Die Bände mit dem Titel „Das Reich des Todes hat keine Macht auf Erden. Priester und Ordensleute im KZ Dachau 1933–1945“ erscheinen im Verlag Herder/Rom zum Preis von 70 Euro pro Band (Rabatt bei Subskription).