Für ihre dritte Produktion haben die Senioren der Gruppe Herbstwind „Hänsel und Gretel“ sehr frei nach den Gebrüdern Grimm neu verfasst. Mit viel Vergnügen widmen sich die Schauspieler den Proben.
„Ein Foto wollen Sie machen? Wir haben heute ja gar keine Kostüme an!“, werde ich im Probenraum der Seniorentheatergruppe Herbstwind im Landeskulturzentrum Ursulinenhof begrüßt. Geschäftiges Treiben herrscht in dem nicht allzu großen Raum. Kein Wunder: Mitte März ist schon Premiere. Als Christine Neumann den Raum betritt, wird sie von den Laienschauspieler/innen gleich umringt: Sie hat die Texte mitgebracht, die bis zur Uraufführung zu lernen sind. „Wir haben das Stück im Grunde selbst geschrieben“, erzählt die Theaterpädagogin. In den beiden ersten Produktionen, noch unter der Leitung von Margit Söllradl, haben sich die Senioren mit Szenen aus ihrem eigenen Leben beschäftigt. Für die heurige Aufführung sollte es ein Stück sein. „Es ist aber schwierig für acht Frauen und einen Mann ein passendes Stück zu finden“, sagt Neumann. Durch Improvisation hat die Gruppe Schritt für Schritt den Text erarbeitet, den Neumann auf dem Computer zusammengefasst und nun den Mitspieler/innen ausgeteilt hat. „Als ich die Gruppe übernommen habe, stellte ich fest, dass die Laienschauspieler alle schön singen können. Deshalb kommen in dem Stück auch viele Kinderlieder vor. Eine Passage aus dem Libretto von Engelbert Humperdincks Oper ist ebenso eingebaut.“ Das Stück richtet sich aber nicht an kleine Kinder, sondern an Kinder und Erwachsene.Seit Oktober schon ist die Gruppe mit dem Stück beschäftigt. Anfangs kamen die Laienschauspieler mit zwei Stunden pro Woche aus, mit dem Näherrücken des Premierentermines ist auch der ganze Samstag in einen Probentag umgewandelt worden.Doch selbst wenn es aufwendig ist – den Mitspieler/innen, die aus Linz und Umgebung kommen, macht die Arbeit am Stück sichtlich Spaß: „Man kann in eine andere Rolle schlüpfen“, sagt Cäcilia Zach. Sie spielt im Stück die Gretel. Die Rolle der (bösen) Schwiegermutter übernahm der Neuling in der Gruppe, Liliana Kresz. An der Gruppe lobt die neu Dazugekommene die Kameradschaftlichkeit und den Zusammenhalt. Am Theaterspielen gefällt ihr, „dass man auch das spielen kann, was man selbst gerne sein möchte“. Das Brechen mit dem Alltag scheint für viele Mitspieler/innen die Motivation zu sein. Leopold Mehringer als einziger Mann in der Gruppe scherzt, dass er sich schon vor seinen Kolleginnen fürchtet – und lacht dabei. Noch gilt es, vieles zu proben und zu perfektionieren. Doch mit der Menge an Lust und Laune, mit welcher die Gruppe Herbstwind an die Sache herangeht, wird dies bis zur Premiere kein Problem sein. „Lampenfieber haben wir nicht – noch nicht“, sagt die Gruppe.