Erstmals seit dem Ende der Schreckensherrschaft Saddam Husseins sollten vergangene Woche die Schiiten in Freiheit ihr Ashura-Fest feiern. Hätten Bombenanschläge nicht 170 Todesopfer unter ihnen gefordert. Doch die Attentate sind mehr als nur Massaker. Sie sind Anschläge gegen die beginnende Normalität ein Jahr nach Kriegsbeginn. Doch die Angriffe auf die größte religiöse Gruppe im Land heißen auch: der Kampf gegen die Besatzer wird zum Bürgerkrieg ausgeweitet, die Stabilität untergraben. Die Unterzeichnung der Übergangsverfassung konnte so zwar nur um Tage verzögert werden. Was sie gelten wird, wenn die Besatzer das Land verlassen, ist jedoch mehr als ungewiss. Auch was die Rechte betrifft, die der christlichen Minderheit eingeräumt werden, wenn der Islam als offizielle Religion im Irak anerkannt ist.
Walter Achleitner
Bittere Wahlpille
Für die ÖVP waren die Landtagswahlen in Kärnten und Salzburg eine bittere Pille. Ob sie daran genesen wird, ist offen. Eines hat die Wahl jedoch deutlich gezeigt: Wo nicht starke Persönlichkeiten an der Spitze standen, die einiges an Wählerunmut wettmachen konnten, wurden ÖVP und FPÖ überrollt. Die von der Pensions-, Steuer- und Bildungsreform frustrierten Bürger/-innen sind mehrheitlich zur SPÖ abgewandert. Sie hat – auch in Kärnten – die stärksten Zuwächse. Es ist erstaunlich, wie viele, die noch im November 2002 auf den Reformer Schüssel gesetzt hatten, seiner Partei jetzt die Gefolgschaft aufgesagt haben. Es sollte allen eine Warnung sein, bei Reformen das soziale Augenmaß nicht zu verlieren und das Gefühl der Menschen für Gerechtigkeit nicht zu unterschätzen.