Du gingst, geliebtes Glück und schwer geliebter Schmerz. / Wie nenn’ ich dich? Not, Leben, Seligkeit / Teil meiner selbst, mein Herz – Vergangenheit? / Es fiel die Tür ins Schloss, / ich höre deine Schritte langsam sich entfernen und verhallen. / Was bleibt mir? Freude, Qual, Verlangen? / Ich weiß nur dies: du gingst – und alles ist vergangen. / Spürst du, wie ich jetzt nach dir greife ... / dass es dir wehtun muss ... / nur um deiner Nähe gewiss zu bleiben, / du leibliches, irdisches, volles Leben?“ Diese Zeilen schrieb der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer im Mai 1944 im Berliner Gefängnis, nachdem ihn seine Verlobte Maria von Wedemeyer dort besucht hat. Wenige Wochen nach der Verlobung am 17. Jänner 1943 wurde Bonhoeffer, der sich im Widerstand gegen Hitler und den Nationalsozialismus engagiert hatte, verhaftet. Und zwei jahre später – am 9. April 1945 – wurde er in Flossenbürg hingerichtet. Das Gedicht entstand, als sich die beiden Liebenden mehr und mehr bewusst wurden, dass ihre Beziehung unerfüllt bleiben könnte. Jeder Besuch im Gefängnis, jeder Kontakt der beiden war ein immer neues Aufeinander-Zugehen und wieder Abschied-Nehmen. Bonhoeffer hielt dabei mit seinen Gefühlen zurück. Einmal sagte sie ihm, er müsse sich ihr gegenüber nicht ständig zusammennehmen. „In eurer Familie hat man gelernt, Gefühle zu zeigen!“ Das am Beginn des Artikels abgedruckte Gedicht ist Zeugnis dieses aufwühlenden Gefühls der unerfüllbaren Nähe.
Am 24. März wird Dr. Renate Bethge, Frau von Eberhard Bethge, Freund Dietrich Bonhoeffers, im Evangelischen Dietrich-Bonhoeffer-Studentenheim in Linz-Auhof, Julius-Raab-Straße, über „Prägende Frauen in Bonhoeffers Leben“ einen Vortrag halten.
Unsere Rätselfrage: Welches Verwandtschaftsverhältnis zu Bonhoeffer hat Renate Bethge?
Schicken Sie die Lösung bis 29. März an die Kirchenzeitung, Kapuzinerstraße 84, 4020 Linz. Wir verlosen ein Buch „Brautbriefe“. Beim Rätsel Nr. 10 (z. B. Haushoferstraße, Marienstraße ...) haben gewonnen: Maria Brandstetter, Ried/I.; Erna Jochade, Reichenau/M.; Helmut Auinger, Peuerbach.