Ein Blick aus dem Fenster genügt für Pfarrer Dr. Franz Leitner um zu beschreiben, was die Stadtmission gebracht hat: „Draußen ist Winter, in der Pfarre bereits Frühling.“
Eine Woche lang waren bis zu sechzig Mitglieder der kirchlichen Gemeinschaft Emmanuel in der Bezirksstadt Vöcklabruck unterwegs, um Gott ins Gerede zu bringen: am Stadtplatz bei einem mobilen Kaffeehaus, in einem Betriebsrestaurant, in einer Bank, in Schulen und bei Hausbesuchen. „Wir haben ganz real erlebt, dass die Menschen Durst nach Leben, Durst nach Gott haben“, bringt Missions-Chef Martin Fenkart seine Erfahrungen auf einen einfachen Nenner. Der 29-jährige Journalist leitete das Missionsteam, dem Emmanuel-Mitglieder aus zwölf Nationen angehörten. Man habe in Vöcklabruck auf dem Fundament einer lebendigen Pfarre aufbauen können, so Fenkart, aber es sei unverzichtbar, dass die Kirche missionarisch ist: „Die bestehenden Pfarrstrukturen reichen heute nicht mehr. Das Pfarrcafé ist eine wichtige Einrichtung, aber es gehört immer wieder einmal auf den Stadtplatz.“ Die Missionare bemühten sich Schwellen abzubauen, wie am Abend im Foyer des Hallenbads. Mehr als die Hälfte der rund hundert Besucher/innen waren der Kirche Fernstehende. Sie lauschten aufmerksam dem Lebenszeugnis der Fitness-Trainerin Tanja Grander, einer evangelischen Christin: „Das Fett hängt nicht am Bauch, sondern an der Seele.“Was die großteils jugendlichen Missionare ausgesät haben, ist auf fruchtbaren Boden gefallen. „Ich möchte bewusst den missionarischen Weg weitergehen“, sagt Notburga Schick, eine pensionierte Religionslehrerin: „Bewusst grüßen, auf Menschen zugehen, für sie beten – die Palette des Missionarischen ist so weit, dass sie niemanden überfordert.“ Auch Diakon Ernst Reisinger will den „kleinen Missionar, den jeder in sich hat“, nicht verkümmern lassen. Für Pfarrsekretärin Anneliese Linkner ist die Mission eine Bestätigung für das Bemühen offen und freundlich mit den Menschen umzugehen. Die anfängliche Skepsis der Mission gegenüber ist bei Pfarrgemeinderätin Anita Vogl in Begeisterung umgeschlagen. Vor allem die musikalische Gestaltung der Missionsgottesdienste sollte in der Pfarre eine Fortführung finden. Auch Pfarrer Leitner hofft, dass die Mission die Pfarre nachhaltig prägt. Er denkt ebenfalls an die Gestaltung der Liturgie und an die Bildung von Gebetskreisen. Der Pfarrer optimistisch: „Das dürfte nicht schwierig sein. Bisher sind nach jeder ähnlichen Initiative wie der Mission Hauskreise entstanden.“ Zu den Kosten der Mission meint Pfarrer Leitner: „Wir stecken regelmäßig große finanzielle Brocken in die Erneurung von Kirchenmauern, warum soll man nicht auch einmal kräftig in die Pastoral investieren?“