Bei der Tagung „Sinn macht Gewinn“ wurden Antworten auf die Frage gesucht, was gute Arbeit ist
Ausgabe: 2004/13, Holmström, Fachtagung, Sinn macht Gewinn, Nokia, Telefon
23.03.2004
- Ernst Gansinger
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Olli Holmstroem bei der Fachtagung am 19. März.
Die Fachtagung „Sinn macht Gewinn“ am 19. März in Linz nutzte Bischof Aichern dazu, erneut eindringlich die Botschaft der kirchlichen Soziallehre in Erinnerung zu rufen: Es geht auch in der Arbeit um die Würde des Menschen!
Das Sozialwort der Kirchen unterstützt daher die Kampagne GUTE ARBEIT der Betriebsseelsorge und der Katholischen ArbeitnehmerInnen Bewegung Östereichs. Gemeinsam mit der Arbeiterkammer, dem ÖGB, der Industriellenvereinigung, der Wirtschaftskammer und wissenschaftlichen Institutionen luden diese kirchlichen Einrichtungen zur Fachtagung ins Siemensforum Linz ein.
Gerechtes Einkommen
GUTE ARBEIT betont die Würde des Menschen, engagiert sich für ein gerechtes Einkommen und nimmt Arbeit und Wirtschaftsprozesse in die Verantwortung für die Umwelt. Die Initiative kommt aus Skandinavien. Da traf es sich gut, dass bei der Fachtagung „Sinn macht Gewinn“ einer der Referenten Olli Holmstroem war. Er ist Human Resources Manager im Nokia Research Center in Helsinki und hat kirchliche Vorberufe – als Seemannspfarrer und Krankenhausseelsorger in der Lutherischen Kirche Finnland.
Eine Frage der Balance
Nokia legt viel Wert auf gute Arbeit und auf das Gleichgewicht zwischen Arbeit und privatem Leben, schilderte Holmstroem. Der Betrieb unterstütze die Arbeitnehmer/innen in dieser Balance. Etwa durch die Möglichkeit zu Telearbeit und Gleitzeit, durch flexible Arbeitsorganisation und das Angebot, Bildungsurlaub und Sabbatjahre zu konsumieren. Gesundheitsdienste und Angebote fürs Wohlbefinden sind ebenfalls Qualitätsmerkmale des Unternehmens. Balance, so die Nokia-Unternehmensphilosophie, führe zu höherer Zufriedenheit und damit zu besseren Ergebnissen. Die berufliche und die persönliche Entwicklung sei wichtig für das Unternehmen.
Entfaltung fördern
„Ein häufiger Stolperstein der Arbeitgeber ist es, die Wünsche der Arbeitnehmer/innen nach persönlicher Entfaltung zu ignorieren ... Unternehmen sollten Möglichkeiten schaffen für die Entfaltung und auf die Arbeitnehmer hören!“, ist Holmstroem überzeugt.
Vielleicht würden manche den Satz „Sinn macht Gewinn“ lieber umdrehen und „Gewinn macht Sinn“ sagen, fragte Bischof Maximilian Aichern. Holmstroems Ausführungen waren dagegen ein deutliches Bekenntnis, dass die Wortfolge „Sinn macht Gewinn“ die richtige ist.
Holmstroem betonte, dass beide Seiten – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – davon profitieren, wenn die Arbeitsmotivation stimmt und dafür auch im Unternehmen viel getan wird. Woran merke man, fragte der Nokia-Manager, dass die Mitarbeiter/innen die wichtigsten Aktiva einer Firma sind? Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber könnten die inneren und äußeren Umstände der Arbeitsmotivation beeinflussen. „Es lohnt sich, dafür zu kämpfen, Freude, Erfüllung, Selbstverwirklichung und Erfolgserlebnisse (die inneren Motivations-Faktoren) bei der Arbeit erfüllt zu bekommen!“
Umweltverantwortung
Holmstroem ist überzeugt, dass es für ein Unternehmen Sinn macht, faire und gerechte, leistungsorientierte Löhne zu zahlen. Eine mangelnde Gehaltstransparenz stehe dem Anliegen am stärksten im Weg. Gute Arbeit bedeute auch Umweltverantwortung. Wer hier wegen eines kurzfristigen Erfolgs in der Grauzone bleibt, werde durch Imageverlust noch viel Geld verlieren.
Mitarbeiterorientiert
In der Diskussion zitierte die Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Oberösterreich, Mag.a Ulrike Rabmer-Koller, eine „Market“-Befragung von Unternehmern, was ihnen wichtig sei. An erster Stelle nannten diese ein intaktes Familienleben (89 %), gefolgt vom guten Arbeitsklima (81 %) und der Mitarbeitermotivation (73 %). „Gewinn“ nannten dagegen nur 32 %. „Viele Unternehmer denken mitarbeiterorientiert“, resümierte die Vizepräsidentin.