Zu seinem 70. Geburtstag ehrt das Land OÖ P. Hubert Leeb
Ausgabe: 2004/13, Leeb, Brasilien, Porto do Mato, Hubert Leeb, Land OÖ, Stockinger, Josef Stockinger, Grieskirchen
23.03.2004
- Heinz Niederleitner
DCF 1.0
Pater Leeb im Gespräch mit Landesrat Dr. Josef Stockinger.
In Porto do Mato (Brasilien) hat P. Hubert Leeb seit 28 Jahren pastorale und soziale Arbeit geleistet. Sein Werk übergab er nun an die Kirche.
Im Nordosten Brasiliens sitzt ein Mann am Abend in einer Runde Oberösterreicher und erzählt. Dass ihn die Befreiungstheologie beeinflusst hat, sagt er. Dass er mit Leonardo Boff auch Meinungsverschiedenheiten hatte, sagt er auch. In jedem Fall hat P. Hubert Leeb sich vom seiner Meinung nach zu engem Denken der „Amtskirche“ befreit und ist einen eigenen Weg gegangen.
Am 20. März 1934 erblickte Hubert Leeb in Grieskirchen das Licht der Welt. Obwohl er in einem traditionell-katholischen Elternhaus aufwächst, erfährt er, „dass sich der Glaube in Taten der Liebe zeignen muss“. In Hubert Leeb reift der Wunsch, Priester zu werden. Er tritt in den Orden der Oblaten des Hl. Franz v. Sales ein.
In den 60er Jahren gründet er den Kreis junger Missionare (KIM), um für die Kirche Berufungen zu schaffen. Dass er aus Liebe zur Kirche handelt, betont Leeb auch heute, auch wenn es zu Konflikten kam. In der Amtskirche sah Leeb vor allem Gehorsam und Enthaltsamkeit als Botschaft. „Jesus hat andere Schwerpunkte gesetzt“, sagt er: „Liebe und Freiheit; wir sind zur Freiheit geboren.“ Weil er mit dem traditionellen Modell nicht weitermachen konnte, ging Leeb Mitte der 70er Jahre nach Brasilien: „Durch die Befreiungstheologie wurde Brasilien zur großen Hoffnung Europas“, sagt er. Auf der Suche nach einem Projekt lernte er in einer Sambaschule Joana Batista Costa kennen, die ihn auf die Not der Menschen in Porto do Mato im Nordosten Brasiliens aufmerksam macht. Zusammen mit ihr gründet er 1976/77 das sozial-pastorale Zentrum „Esperanca de Deus - Erwartung Gottes“.
„Man darf die soziale von der pastoralen Arbeit nicht trennen“, betont P. Leeb. Es ging ihm in Porto do Mato nicht nur darum, die seelsorgliche Verlassenheit zu beenden, sondern auch die soziale Hoffungslosigkeit zu durchbrechen. „Ich kann nicht vom lebendigen Brot der Eucharistie reden, wenn die Menschen verhungern“, sagt er. Mit Hilfe von Förderern ist es Padre Humberto, wie er hier genannt wird, gelungen, inmitten der Wildnis von Porto do Mato ein Zentrum mit Schule, Kindergarten, Beherbergungsbetrieb, verschiedenen Handwerksbetrieben und einer Kirche auf die Beine zu stellen: Auf 25 Hektar gibt er 75 Menschen Arbeit, 400 Kinder besuchen Schule und Kindergarten.
Das Land Oberösterreich hat Leeb schon früh gefördert. „Es ist unsere Strategie, Oberösterreicher in der Entwicklungshilfe zu unterstützen“, sagt Agrarlandesrat Dr. Josef Stockinger, in dessen Ressort die Entwicklungshilfe fällt. Kein Bundesland vergibt so viele Mittel in der Entwicklungshilfe wie OÖ. Zu Leebs Geburtstag überbrachte Stockinger dem gebürtigen Grieskirchner nun das Goldene Verdienstzeichen des Landes OÖ.
Die Amtkirche, die lange mit ihm gehadert hat, scheint sich mit dem „abtrünnigen Pater“ ausgesöhnt zu haben: Bischof Dom Marco de Almeida übernahm am Sonntag Pater Huberts Werk als Pfarre: „Es ist für mich die größte Anerkennung, dass heute mein Werk in den Plan Gottes eingeordnet werden kann. Das Werk ist durch die Kirche und die Pfarre gesichert“, sagt Padre Humberto.
Wohin man in seinem Zentrum blickt: Padre Humberto ist überall gegenwärtig: Vom Spruchband über die Büste bis zum Musical seiner Schüler und Mitarbeiter, mit dem er heuer noch nach Österreich kommt. Personenkult lehne er ab, sagt Leeb, aber: „Die Menschen hier hängen an dem Werk und den Personen, die dahinter stehen. Es ist ihre Mentalität.”
Keinem kann es jedenfalls verborgen bleiben, dass er tatsächlich die treibende Kraft hinter allem ist, was in „Esperanca de Deus" geschieht. Unleugbar ist auch, dass er ein beachtliches Werk aufgebaut hat, und dass er seinen Weg gegangen ist, allen Fährnissen zum Trotz.