Aus Afrika ist er geflohen – aus Niger, um genau zu sein. Warum K. ausgerechnet nach Österreich kam, weiß er selber nicht. Die das Geld genommen haben, haben es so bestimmt. Die Stammeskriege haben das Leben für ihn in der Heimat lebensgefährlich gemacht. Jetzt lebt er hier in einem Heim für jugendliche Asylwerber. Erstaunlich gut Deutsch hat er bereits in den wenigen Monaten gelernt. So kann er wenigstens die Fragen verstehen, kann das eine oder andere erklären. In der ersten Zeit war das anders. Da spürte er nur die Ablehnung und wusste nicht warum.
Er lebt einen Kreuzweg. Die Geißelschläge, denen K. ausgesezt ist, sind unspektakulär und leise. Angst. Keine Ahnung, wie es weitergehen kann. Gesetze, die ihm das Leben schwer machen. Blicke. Kontrollen. Zurufe, die er kaum versteht.
Die Kirche feiert den Passionssonntag. Was zwischen Ölberg und Golgotha geschah – die Verhaftung und Verurteilung, der Kreuzweg, das Sterben – das ist die Eskalation jener Gewalt, mit der Jesus schon in den Jahren zuvor unspektakulär abgelehnt wurde. Viel wird dieser Tage über einen neuen Film über die Passion Christi diskutiert. Lenkt die Darstellung der rohen, blutrünstig gewordenen Gewalt nicht von jener stillen, beständigen Gewalt ab, an der Menschen leiden und an der auch Jesus zu leiden hatte? Wer die Leiden Jesu plastisch „erleben“ will, muss nicht ins Kino gehen. Jesus sagt, er ist bei den Leidenden. Nur: Man darf sie nicht übersehen. Draußen auf der Straße, nicht auf der Leinwand ist er zu finden.